Ortswechsel: Die Kunstsammlung der Deutschen Bundesbank zu Gast im Museum Giersch der Goethe-Universität

Ernst Wilhelm Nay, Firmament, 1963, Öl auf Leinwand, 200 x 160 cm
Ernst Wilhelm Nay, Firmament, 1963, Öl auf Leinwand, 200 x 160 cm / © Elisabeth Nay-Scheibler, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn 2018 Foto: Wolfgang Günzel

Vom 8. Juli 2022 bis zum 8. Januar 2023 ist die Kunstsammlung der Bundesbank zu Gast im Museum Giersch der Goethe-Universität (MGGU) in Frankfurt am Main. Unter dem Titel „Ortswechsel“ gibt diese erste museale Präsentation der bedeutenden Notenbanksammlung mit einer Auswahl von 93 Kunstwerken einen markanten Überblick über die Sammlung von den 1950er Jahren bis in die Gegenwart. Darunter sind Werke von Künstlerinnen und Künstlern wie Georg Baselitz, Rupprecht Geiger, Isa Genzken, Katharina Grosse, Ernst Wilhelm Nay und Jorinde Voigt.

Kunstsammlung spiegelt Geschichte der Bundesrepublik wider

Isa Genzken: Ohne Titel, 2017
Isa Genzken: Ohne Titel, 2017 © Courtesy Galerie Buchholz Berlin/Cologne/New York / VG Bild-Kunst, Bonn 2022 Foto: Nils Thies
Die Anfänge der mittlerweile mehrere Tausend Werke zählenden Sammlung, die deutschlandweit über die verschiedenen Standorte der Bundesbank verteilt ist, liegen in den 1950er Jahren und dem Erwerb junger informeller Positionen wie Karl Otto Götz oder Heinz Kreutz. In den folgenden Dekaden wurde die Sammlung nach und nach durch aktuelle Positionen erweitert. Der Erwerb von Malerei, Grafik- und Papierarbeiten, Skulpturen wie auch vereinzelt Fotografien spiegelt auch die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wider: Die Sammlungstätigkeit fokussiert sich auf Kunst aus dem deutschsprachigen Raum; nach der Wiedervereinigung 1990 kamen dezidiert Künstlerinnen und Künstler aus den ostdeutschen Bundesländern hinzu.

Künstlerische Dialoge und Spannungsfelder

Außenansicht des Museum Giersch der Goethe-Universität
Außenansicht des Museum Giersch der Goethe-Universität
Die thematische Gliederung in den Räumen des MGGU lässt ungewöhnliche Dialoge und Spannungsfelder entstehen. Themen wie „Fortführung des Gestischen“, „Farbe absolut“ oder „Geschichte und Geschichten“ werfen durch die Konfrontation von zeitgenössischen und historischen künstlerischen Positionen überraschende Schlaglichter auf die Werke: Eine Arbeit von Anne Imhof mit gestischen Kratzern im Acryllack auf Aluminium trifft auf die „Übermalungen“ Arnulf Rainers. Rupprecht Geigers leuchtend rotes Farbfeld begegnet den ironisch konnotierten Arbeiten Monica Baers. In ihrer Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte steht Anselm Kiefers archaisierende Bildwelt den konzeptuellen Fotografien von Annette Kelm gegenüber. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, sich auf diese Dialoge einzulassen und selbst miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Museum präsentiert zudem zwei eigens für die Ausstellung konzipierte Räume mit neuen Arbeiten von Michael Riedel und Frauke Dannert – beide sind ebenfalls in der Kunstsammlung der Deutschen Bundesbank vertreten.

Auf den „Ortswechsel“ der Kunst nehmen schließlich zahlreiche Fotografien Bezug. Sie zeigen die Kunst im Kontext der Büros, Flure und Besprechungsräume der Bundesbank. In einem eigens für die Ausstellung produzierten Kurzfilm kommen die Beschäftigten der Bundesbank selbst zu Wort: So wird erfahrbar, wie die Kunstwerke vor Ort die Räume prägen und den Arbeitsalltag bereichern.