Nationales Aufsichtsprogramm 2026 – 2028
Im Nationalen Aufsichtsprogramm (NAP) werden jährlich gemeinsam von BaFin und Bundesbank die Schwerpunkte für die Aufsicht über die national beaufsichtigten Institute in Deutschland festgelegt. Sie sind Ergebnis einer umfassenden Bewertung der Risiken und Handlungsfelder der beaufsichtigten Institute. Im zweiten Schritt werden aufsichtliche Maßnahmen zur Adressierung der Risiken und Handlungsfelder formuliert. Der Einheitliche Europäische Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism – SSM) legt parallel Schwerpunkte für den gesamten SSM fest. Diese werden bei der Festlegung der nationalen Schwerpunkte berücksichtigt. Zusätzlich zu den aufsichtlichen Schwerpunkten für 2026 werden mittelfristige Prioritäten der Aufsicht bis 2028 identifiziert, die strukturelle und mittelfristige Herausforderungen für den Bankensektor berücksichtigen.
Ergänzend haben BaFin und Bundesbank die aktuellen Entwicklungen der Institute und die Entwicklungen an den Finanzmärkten eng im Blick und ergreifen bei Bedarf zusätzliche aufsichtliche Maßnahmen und passen die Schwerpunkte der Aufsichtsarbeit an.
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist von erheblichen Unsicherheiten geprägt, die u. a. maßgeblich durch die volatilen geopolitischen Entwicklungen beeinflusst werden. Die Außen- und Handelspolitik der USA, Kriege und globale Konflikte führen zu volatilen Finanzmärkten und einer Eintrübung der weltweiten und insbesondere der deutschen Wirtschaftsaussichten als stark exportorientiertes Land. Die expansiv ausgerichtete nationale Fiskalpolitik soll allerdings ab 2026 zu einer deutlichen Erholung der deutschen Wirtschaft beitragen.
Eine Verschärfung der gegenwärtig bereits angespannten weltpolitischen Lage könnte den Wertberichtigungsbedarf im Kreditbestand weiter erhöhen und damit letztendlich auch auf die Profitabilität der deutschen Institute durchschlagen. Sowohl bei Unternehmen als auch bei privaten Haushalten sind in zahlreichen Segmenten Verschlechterungen bei Indikatoren für das Kreditrisiko zu beobachten. Marktrisiken und Verwerfungen an den Finanzmärkten stellen dabei eine zusätzliche Herausforderung dar, die sowohl die Stabilität der Institute als auch die Kreditversorgung der Realwirtschaft beeinträchtigen können.
Das Wohnimmobilienkreditgeschäft ist für einen Großteil der deutschen Kreditinstitute eine zentrale Komponente des Geschäftsmodells und damit eine wichtige Komponente der Erträge. Derzeit zeichnet sich eine positive Neugeschäftsentwicklung ab. Der Markt für Gewerbeimmobilien (CRE) zeigte nach dem Einbruch in Folge der Zinswende zwar eine leichte Erholung am aktuellen Rand, jedoch muss sich diese erst als nachhaltig erweisen. Insgesamt sind weiterhin erhöhte Risiken im Bereich der Gewerbeimmobilien zu verzeichnen. Die Kreditvergabestandards und das Risikomanagement bleiben aufsichtlich daher weiter im Fokus.
Darüber hinaus hat eine solide Governance einen erheblichen Einfluss auf die nachhaltige Stabilität eines Instituts. Besonders Schwachstellen in der Geschäftsorganisation und der Unternehmensführung können zu falschen Risikoeinschätzungen bzw. Entscheidungen führen. Dies gilt umso mehr in einem sich schnell verändernden und unsicheren Umfeld.
Die Cyber-Bedrohungslage ist auf einem anhaltend hohen Niveau, unter anderem aufgrund anhaltender geopolitischer Spannungen. Gleichzeitig nehmen die Auslagerung wesentlicher Aktivitäten und Prozesse im IT-Bereich und die technologische Abhängigkeit von wenigen Dienstleistern weiter an Bedeutung zu. Darüber hinaus wird das Bankgeschäft über die Nutzung innovativer Technologien, wie die Blockchaintechnologie und Künstlicher Intelligenz, zunehmend digitaler. Aus aufsichtlicher Perspektive ist es wichtig, dass die Institute das Potenzial von Cyber- und IT-Risiken identifizieren, mögliche Konzentrationen von Mehrmandantendienstleistern berücksichtigen und die Anforderungen aus DORA (Digital Operational Resilience Act) implementieren.
Unter Berücksichtigung dieser Entwicklungen und Risiken haben BaFin und Bundesbank die folgenden aufsichtlichen Schwerpunkte mit ihren wesentlichen Handlungsfeldern für das Jahr 2026 festgelegt:
1. Wirtschaftliches Umfeld, inkl. geopolitischer Unsicherheiten
Die Entwicklung der Kreditvergabestandards, der Kreditausfallquoten sowie der Sicherheitenwerte wird fortlaufend beobachtet.
Die Überwachung von angemessenen Kreditvergabeprozesse, Risikovorsorge und – management wird durch Werthaltigkeitsprüfungen, Targeted Reviews und aufsichtlichen Dialogen sichergestellt.
Der LSI-Stresstest wird im Jahr 2026 durchgeführt.
2. IT-Sicherheit
Es soll das Potenzial von Cyber-/IT-Risiken unter Berücksichtigung von Konzentrationen von Auslagerungen auf Drittanbieter (insbesondere Cloudanbieter) identifiziert werden.
Die Implementierung der Anforderungen aus DORA wird durch Themenprüfungen sowie unterstützenden Analysen bei ausgewählten Instituten und deren IT-Dienstleistern überprüft. Festgestellte Lücken werden risikoorientiert adressiert.
3. Governance
Identifikation und Sanktionierung von Instituten mit Schwachstellen und Fehlverhalten im Bereich Governance. Es wird außerdem verstärkt die Sicherstellung der Qualifikation der Geschäftsleitung und Aufsichtsorgane in den Fokus genommen, u. a im Rahmen von Sonderprüfungen mit spezifischen Prüfungsmodulen.
Überprüfung der fachlichen und technischen Datenqualität im Meldewesen insb. bei Verbundinstituten.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass im Vergleich zum Jahr 2025 die geopolitischen Spannungen und daher wirtschaftlichen Unsicherheiten noch einmal an Bedeutung zugenommen haben. Diesbezüglich wird die deutsche Aufsicht vor allem die Auswirkungen und Risiken im Immobilienmarkt und die Kreditvergabestandards und das Risikomanagement der Institute im Blick behalten. Auch die Themen IT-Sicherheit und Governance bleiben weiterhin als nationale Schwerpunkte im aufsichtlichen Fokus.
Mittelfristige Prioritäten der Aufsicht bis 2028
Klimawandel, Nachhaltigkeit und ökonomische Transformation
Schwerpunkt liegt derzeit auf Klima- und Umweltrisiken. Überprüfen, ob Banken ESG-Risiken angemessen in ihre Geschäftsstrategie und ihre Governance und Risikomanagementrahmen, Kreditprozesse etc. integrieren. Entwicklung von neuen Prüfungsmodulen im Rahmen von ICAAP-Prüfungen.
Digitale Transformation
Analyse und Bewertung digitaler Innovationen und relevanter Trends, darunter vor allem die Nutzung künstlicher Intelligenz. Überprüfung der Strategien und Pläne der Institute/Verbünde zur digitalen Transformation.
Demografischer Wandel
Horizontale Analysen potenzieller Faktoren und Kanäle des demografischen Wandels, Sensibilisierung der Institute für die Erarbeitung von Strategien zum Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels und kommunizieren von best-practices.