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Der Markt für nachhaltige Finanzanlagen – ein Überblick

Der Markt für nachhaltige Finanzanlagen – ein Überblick

Der Markt für nachhaltige Finanzanlagen in Europa ist in den vergangenen Jahren dynamisch gewachsen. In Deutschland etwa ist das nachhaltige Investitionsvolumen zwischen 2014 und 2018 um über 70 Prozent gestiegen. Grüne Unternehmens- und Projektfinanzierungen haben zum Ziel, Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Zudem dienen sie der Investition in innovative, CO2-arme Technologien. Zwar sei der Investitionsbedarf in nachhaltige Projekte enorm, heißt es im Monatsbericht der Bundesbank vom Oktober. Trotzdem sei unklar, wie sich das in der jüngeren Vergangenheit beobachtete starke Marktwachstum weiterentwickelt.

Investoren stehen vor Unsicherheiten

Dies liegt laut den Fachleuten an verschiedenen Faktoren, die sowohl die Nachfrage- als auch die Angebotsseite dieses Marktes sowie die Realwirtschaft betreffen. So ist beispielsweise bislang unsicher, unter welchen Voraussetzungen sich nachhaltige Anlagestrategien für die Investoren auch finanziell auszahlen können. Denn solche Strategien schränken die Anlagemöglichkeiten zunächst einmal ein. Dies führt typischerweise dazu, dass sich das Verhältnis von Rendite zu Risiko einer Kapitalanlage verschlechtert. Demgegenüber steht jedoch die Chance, dass Analysen zur Nachhaltigkeit bislang vernachlässigte Risiken für die Investoren sichtbar machen – etwa solche, die aus dem Klimawandel folgen. Hierbei besteht zwar ein breiter wissenschaftlicher Konsens darüber, dass sich diese Risiken negativ auf die Wirtschaft auswirken werden, doch ist ihre genaue Ausprägung weiterhin unklar.

Was ist eine grüne Anleihe?

Der grundsätzliche Unterschied zwischen einer grünen Anleihe und einer herkömmlichen Anleihe besteht in der zweckgebundenen Erlösverwendung. Die International Capital Markets Association (ICMA) veröffentlichte im Jahr 2014 die Green Bond Principles (GBP). Dabei handelt es sich um freiwillige Leitlinien für Emittenten von grünen Anleihen. Diese müssen im Vorfeld einer Emission sicherstellen, dass die grüne Anleihe im Einklang mit den vier Kernkomponenten der GBP begeben wird. Eine bezieht sich zum Beispiel darauf, wie die Erlöse aus den Emissionen verwendet werden sollten. Dazu werden verschiedene grüne Projektkategorien identifiziert, die einen Bezug zu Umweltschutzthemen haben, zum Beispiel erneuerbare Energien, sauberer Transport, Energieeffizienz etc. Trotz dieser Prinzipien gibt es bislang keine einheitliche Definition grüner Projekte. Dies führt dazu, dass das Angebot grüner Anleihen am Markt derzeit noch überschaubar ist.

Betrachtet man das Angebot grüner Anleihen am Markt, dann fällt auf, dass diese zunächst vorwiegend von Entwicklungsbanken und staatlichen Förderbanken wie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) begeben wurden. Im Verlauf der vergangenen Jahre haben allerdings private Finanzinstitute, insbesondere Hypothekenbanken, aber auch der öffentliche Sektor mehr grüne Anleihen emittiert. Bislang ist allerdings unklar, welche Auswirkungen die Emission einer grünen Anleihe auf dessen Rendite hat. Ob sie sich für den Emittenten auch finanziell lohnt, hängt zum Beispiel davon ab, ob Investoren bei gleichem Kreditrisiko bereit sind, für eine grüne Anleihe mehr zu zahlen als für eine konventionelle. Der aktuelle Stand der akademischen Forschung lässt hierbei keine eindeutigen Schlüsse zu. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine exemplarische Analyse der Bundesbank. „Ein Vergleich konventioneller und grüner Anleihen der beiden Emittenten KfW und der Europäischen Investitionsbank (EIB) zeigt keine klaren Muster hinsichtlich vorliegender Renditeunterschiede auf“, heißt es hierzu in dem Bericht.

Nicht zuletzt ist die weitere Entwicklung des Marktes den Fachleuten zufolge von Unternehmen und ihrer Bereitschaft abhängig, Produktpaletten nachhaltig zu erneuern, mit natürlichen Ressourcen schonender umzugehen und umweltbelastende Emissionen zu reduzieren. Da eine solche Umorientierung nach Schätzungen der deutschen Industrie umfassende Investitionen erfordert, würde dies auch das Engagement privater Investoren erfordern.

Nachhaltige Finanzanlagen auch für Privatanleger

Wie können Anreize geschaffen werden, um nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu fördern? Die Expertinnen und Experten der Bundesbank sehen hierbei die Politik in der Verantwortung. Im Bericht stellen sie unter anderem die Bestrebungen der Europäischen Kommission vor. Sie arbeitet daran, eine verlässliche und nachvollziehbare Einordnung von Finanzprodukten zu ermöglichen. Dazu plant die Kommission unter anderem eine einheitliche sogenannte Taxonomie. Diese beinhaltet eine konsistente Klassifizierung nachhaltiger wirtschaftlicher Aktivitäten, was zum Beispiel für Nachhaltigkeitslabels für Finanzprodukte oder bei der EU-Norm für grüne Anleihen nützlich ist. Bestrebungen wie diese gehen den Fachleuten der Bundesbank zufolge in die richtige Richtung, um die Akteure am Finanzmarkt zu befähigen, Chancen und Risiken verschiedener Investments angemessen zu bewerten und somit die beschriebenen Unsicherheiten zu verringern. Sie reduzieren auch die Gefahr, dass Anleger über den Grad der Nachhaltigkeit ihres Investments getäuscht werden. Nachhaltige Finanzanlagen dürften somit auch für den Privatanleger nutzbar werden, heißt es in dem Bericht. Dass das erstrebenswert ist, zeigt ein Blick auf die weltweiten Zahlen: Trotz bemerkenswerter Wachstumsraten beträgt der Anteil ausstehender grüner Anleihen am gesamten internationalen Anleihemarkt nämlich bislang nur knapp 2 Prozent.

Verantwortliche, nachhaltige und grüne Geldanlagen – Ein Überblick

Verantwortliches Investieren (Socially Responsible Investment)

Unter diesem Begriff werden typischerweise die Vermögen aller Investoren gefasst, die sich öffentlich zur Berücksichtigung von Aspekten der Nachhaltigkeit bekannt haben. Dabei wird der Grad der tatsächlichen Umsetzung auf Ebene der einzelnen Investments oder Portfolios nicht hinterfragt, sondern allein auf die Verpflichtung auf institutioneller Ebene abgestellt. Die Ausgestaltung spezifischer Nachhaltigkeitskriterien ist deshalb von nachrangiger Bedeutung.

Nachhaltiges Investieren (Sustainable Finance)

Nachhaltige Finanzierungen beziehungsweise Geldanlagen beziehen sogenannte ESG-Kriterien (als Abkürzung für Environmental, Social and Governance) bei der einzelnen Investitionsentscheidung ein. Die ESG-Kriterien beinhalten Vorgaben zur guten Unternehmensführung, beispielsweise transparente Maßnahmen zur Verhinderung von Korruption und Bestechung, sowie ökologische und soziale Aspekte - etwa eine umweltverträgliche Produktion und hohe Standards bei Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Nachhaltige Finanzierung ist also nicht auf Klima- und Umweltschutz reduziert, sondern umfasst ebenso soziale Aspekte und Fragen zur Zusammensetzung und Qualität des Managements solcher Firmen, in die investiert wird oder werden soll.

Bei diesen Anlagen muss das durch nachhaltige oder grüne Anleihen aufgenommene Kapital stets entsprechenden Projekten, etwa aus den Bereichen erneuerbare Energien, Umweltschutz, sozialer Wohnungsbau oder Bildung, zuzuordnen sein.

Grüne Finanzierung (Green Finance)

Green Finance ist eine Unterkategorie des nachhaltigen Investierens, bei der lediglich Umweltaspekte einbezogen werden.  Ein Beispiel für grüne Finanzierungen sind Windparks.

Wer hält grüne Anleihen in der EU?

Nach Haltergruppen

Investmentfonds
Versicherungsunternehmen
Pensionskassen
Staat

23,9 Mrd. Euro
23,4 Mrd. Euro
5,3 Mrd. Euro
2,9 Mrd. Euro

Nach Ländern

In Europa halten Investoren in Frankreich (21,6 Milliarden Euro) und Deutschland (19,5 Milliarden Euro) die höchsten Bestände an grünen Anleihen. In Frankreich halten Versicherungen einen großen Teil grüner Anleihen – und zwar 67 Prozent aller von französischen Investoren gehaltene grüne Anleihen. Relativ hohe Bestände an Green Bonds werden auch in den Niederlanden (10,0 Milliarden Euro) gehalten, die an dritter Stelle folgen. Vor allem Banken spielen in den Niederlanden eine sehr wichtige Rolle, sie halten 86 Prozent der Green Bonds. Luxemburg folgt mit einem Volumen von 6,7 Milliarden Euro an vierter Stelle. Dort ist der Investmentfondsanteil von besonderer Bedeutung – 84 Prozent der gehaltenen grünen Anleihen entfallen hierauf.

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