Containerhafen am Wasser

Die Weltwirtschaft während der Corona-Pandemie

Die Coronavirus-Pandemie prägt seit Anfang 2020 die Wirtschaftsentwicklung weltweit. Jedoch seien manche Volkswirtschaften besser durch die Krise gekommen als andere, schreibt die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht. Während eine Reihe von Ländern, darunter die USA und China, das Vorkrisenniveau der Wirtschaftsleistung bereits wieder erreicht oder sogar übertroffen hätten, wiesen andere noch Rückstände auf. Dazu zählten unter anderem die vier größten Mitgliedstaaten des Euroraums: Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien.

Auch innerhalb des Euroraums seien die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie über die einzelnen Länder hinweg sehr unterschiedlich verteilt. So hätten zum Höhepunkt der Krise im zweiten Vierteljahr 2020 die Verluste beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) (jeweils gegenüber dem Vorkrisenstand) von 4½ Prozent in Litauen bis zu 22 Prozent in Spanien gereicht. „Auch ein Jahr später, nach einer schnell einsetzenden, aber teils holprigen Erholung, stellte sich die Lage weiterhin heterogen dar“, heißt es in dem Bericht weiter. Während das BIP in einigen Mitgliedsländern seinen jeweiligen Vorkrisenstand im Frühjahr 2021 bereits wieder übertroffen hätte, hätte Spanien ihn noch um gut 8 Prozent verfehlt. Etwas geringer seien die Rückstände in Italien mit 4 Prozent sowie in Deutschland und in Frankreich mit jeweils 3 Prozent gewesen.

Wirtschaftliche Auswirkung unterschiedlicher Eindämmungsmaßnahmen

„Eine Erklärung für das weltweit heterogene Länderbild sind die Unterschiede in den Reaktionen auf die Pandemie mit Blick auf die ergriffenen Maßnahmen und deren Dauer“, schreiben die Bundesbank-Fachleute. In einigen Ländern sei bis zuletzt versucht worden, die Verbreitung des Virus mit drastischen Maßnahmen zu verhindern. Andere hätten einen weniger strikten Kurs gewählt, etwa weil die Infektionslage es erlaubte oder weil die wirtschaftliche Lage zusätzliche Einschränkungen zu kostspielig erscheinen ließ. Schätzungen zeigten, dass Maßnahmen, die die Mobilität dämpften, wie Betriebsschließungen und Ausgangssperren, die Pandemie zwar erfolgreich bremsten. Sie seien jedoch auch mit hohen wirtschaftlichen Einbußen einhergegangen. Als besonders anfällig erwiesen sich kontaktintensive Wirtschaftsbereiche, wie das Gastgewerbe oder der Tourismussektor. „Volkswirtschaften, für welche diese Sektoren ein wichtiges Standbein darstellen, waren entsprechend besonders stark betroffen“, so die Expertinnen und Experten.

Geld- und Fiskalpolitik milderten Krisenfolgen deutlich

Laut Bundesbank dürfte neben dem Pandemieverlauf sowie den verordneten und selbstauferlegten Verhaltensanpassungen die Politik eine wichtige Rolle für die Wirtschaftsentwicklung gespielt haben. Insbesondere in den Industrieländern habe eine expansive Geld- und Fiskalpolitik die unmittelbaren Krisenfolgen deutlich gemildert. „Simulationsrechnungen zufolge fielen die stützenden Effekte in den USA sogar noch größer aus als im Euroraum“, heißt es in dem Aufsatz. Zudem seien durch spezifische Maßnahmen vielerorts Beschäftigungsverhältnisse gesichert, Unternehmensinsolvenzen verhindert und Verwerfungen in den Finanzsystemen vorgebeugt worden.

Weltweite Impfkampagne als vorrangige Aufgabe

Inzwischen sei die wirtschaftliche Erholung insbesondere aufgrund der zunehmenden Immunisierung der Bevölkerung vielerorts gut vorangekommen, schreibt die Bundesbank. Allerdings ginge der Aufschwung nicht spannungsfrei vonstatten. Knappheiten bei wichtigen Vorleistungsprodukten und Lieferverzögerungen hätten den Erholungsprozess ausgebremst.

Insgesamt zeichneten sich jedoch für die Fortgeschrittenen Volkswirtschaften eher geringe längerfristige Schäden für die Wirtschaft ab. In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern, wo die Impfkampagnen nur schleppend vorankommen, würde eine umfassende Erholung jedoch verzögert. „Damit steigt die Gefahr, dass wirtschaftliche Narben zurückbleiben.“ Zudem begünstigten die geringen Impfquoten neue Virusvarianten, die dort neue wirtschaftliche Rückschläge auslösen könnten. Aufgrund der weltwirtschaftliche Verflechtungen würde dies auch den Fortgeschrittenen Volkswirtschaften schaden. Es bleibe somit die vorrangige Aufgabe der internationalen Gemeinschaft, die weltweite Impfkampagne voranzutreiben.

Strukturwandel darf nicht behindert werden

Die Wirtschaftspolitik in den Industrieländern solle bis zum Ende der Pandemie die gesamte wirtschaftliche Erholung unterstützen und so versuchen, Folgeschäden zu vermeiden. „Für die Zeit danach gilt es aber, die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte anzupacken“, schreibt die Bundesbank. Die letzten anderthalb Jahre hätten gezeigt, wie wichtig es sei, in Krisenfällen über fiskalpolitische Puffer zu verfügen. Zudem dürfe der durch die Pandemie notwendig gewordene Strukturwandel nicht durch wirtschaftspolitische Hilfsmaßnahmen behindert werden. Viele in der Krise ergriffenen Maßnahmen hätten darauf abgezielt, den Fortbestand von Unternehmen zu sichern, unabhängig davon, ob deren Geschäftsmodelle langfristig tragfähig seien oder nicht. Mit dem allmählichen Überwinden der Pandemie sollten derartige Hilfen zurückgefahren werden, so die Fachleute.