Kunden in einer Einkaufsstraße

Haushalte erwarten nur mäßigen Anstieg der Inflation

Die Inflationserwartungen deutscher Verbraucherinnen und Verbraucher sind derzeit stabil. Das zeigen die Ergebnisse einer Pilotstudie, die die Bundesbank von April bis Juni 2019 bei Privatpersonen in Deutschland durchgeführt hat. Demnach erwarten mehr als zwei Drittel der Befragten in den kommenden zwölf Monaten Inflationsraten zwischen null und drei Prozent. Zudem rechnen nur wenige Menschen in Deutschland mit einer fallenden oder einer sehr hohen Inflation.

Pilotstudie liefert neue Erkenntnisse

Für die Pilotstudie wurden insgesamt mehr als 4000 Privatpersonen zu ihren Erwartungen bezüglich Inflation, Zinsen, Konsum, Mieten und Immobilienpreisen befragt. Damit möchte die Bundesbank besser verstehen, wie sich geldpolitische Maßnahmen, beispielsweise eine Senkung des Leitzinses, auf Konsum und Investitionen von Privatpersonen auswirken und bestehende Datenlücken schließen. Nicht nur die Höhe der Inflationserwartung, sondern auch die Streuung sei von Interesse für die Geldpolitik, heißt es dazu im aktuellen Bundesbank-Monatsbericht. Beides könnte bedeutende Auswirkungen auf den geldpolitischen Transmissionsprozess haben, also darauf, wie sich eine geldpolitische Maßnahme auf ökonomische Variablen wie Preisniveau, Produktion und Beschäftigung überträgt. Wenn Haushalte stark steigende Preise erwarteten, würden sie viele geplante Käufe vorziehen, solange die Preise noch nicht so stark gestiegen sind. „Diese erhöhte Nachfrage wird dann in der Regel zu steigenden Preisen führen – die Erwartungen sind in diesem Fall selbsterfüllend“, schreiben die Fachleute der Bundesbank.

Kommunikation über soziale Medien wird wichtiger

Zentralbanken ziehen es in der Regel vor, wenn die Erwartungen der Haushalte über zukünftige Preise möglichst stabil sind und in der Nähe des geldpolitischen Ziels einer Inflationsrate von unter, aber nahe zwei Prozent liegen. Solange dies der Fall sei, könnten Zentralbanken über den gesetzten Leitzins Investitionen und Konsum direkt beeinflussen, schreiben die Expertinnen und Experten. Hingegen könnten abrupte Änderungen der individuellen Inflationserwartungen die geldpolitische Transmission erschweren. Zentralbankkommunikation über klassische und auch soziale Medien könne dabei zur Verringerung der Unsicherheit bei Verbraucherinnen und Verbrauchern beitragen. Studien hätten außerdem gezeigt, dass diejenigen Personen besonders unsicher in ihren Inflationserwartungen seien, die sich nicht primär über klassische Medien wie Zeitungen, Fernseh- oder Radionachrichten über Geldpolitik informieren würden. „Diese Erkenntnis bestärkt die Bundesbank in ihrem eingeschlagenen Kurs, zunehmend auch über soziale Medien zu kommunizieren“, heißt es im Monatsbericht.

Mehrheit erwartet steigende Immobilienpreise

Da auch die Erwartungen über riskante, oft kreditfinanzierte Käufe beispielsweise von Immobilien die Preisentwicklung und die Stabilität des Finanzsystems beeinflussen, hat die Bundesbank auch die Erwartungen bezüglich der Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt bei den Privatpersonen erfragt. Hier erwarten ungefähr vier von fünf Befragten weiter steigende Preise. Deutschlandweit wird ein Immobilienpreisanstieg von knapp sechs Prozent über einen Zeitraum von einem Jahr erwartet. Die Erwartungen sind allerdings über die Regionen hinweg sehr unterschiedlich. Unterschiede finden sich auch zwischen verschiedenen Personengruppen. So erwarten Mieterinnen und Mieter der Studie zufolge stärkere Preissteigerungen als Eigentümerinnen und Eigentümer von Immobilien. Diese und ähnliche Einblicke sind ein Baustein, um Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt und damit Risiken für die Stabilität des deutschen Finanzsystems frühzeitig zu erkennen.

Erwartungsbefragung zukünftig monatlich

Nach Auswertung der Pilotstudie hat die Bundesbank beschlossen, in Zukunft monatlich Haushalte zur ihren Einschätzungen und Erwartungen zur Preisentwicklung zu befragen, voraussichtlich ab Anfang 2021. Damit möchte sie die zur Erfüllung ihrer Aufgaben notwendige Datengrundlage erweitern. Unmittelbar nach jeder Befragung sollen die Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.