Ein Mann entnimmt Bargeld aus einem Portmonee

Monatsbericht: Wie Löhne die Verbraucherpreise beeinflussen

Welchen Einfluss haben höhere Löhne auf die Verbraucherpreise? Das ist Thema im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank. „Es spricht einiges dafür, dass sich das robuste Lohnwachstum der letzten Jahre in Deutschland in einem allmählichen Anstieg der Inflation niederschlagen dürfte“, schreiben die Expertinnen und Experten im Bericht. Die Anpassung der Preise an einen Lohnschock, also einen starken Anstieg der Löhne, zieht sich nach Ansicht der Fachleute über mehrere Jahre hin. Wie schnell die Anpassung dauert, hängt unter anderem auch von der wirtschaftlichen Situation ab. Je nach Marktumfeld und konjunktureller Lage geben Unternehmen mit gewisser Preissetzungsmacht Lohnänderungen nicht gleich vollständig in Preisänderungen weiter. So federn sie Änderungen der Lohnstückkosten ab, indem sie z.B. ihre Margen anpassen. Die geschieht vor allem dann, wenn Preisänderungen für die Unternehmen kostspielig sind oder weil sie befürchten, dass sie Marktanteile durch höhere Preise verlieren.

Mithilfe verschiedener Modelle haben die Fachleute den Zusammenhang zwischen Löhnen und Preisen seit den 1970er Jahren untersucht. Insgesamt würde etwa ein Drittel einer Lohnerhöhung über Preiserhöhungen an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeleitet. „Eine Lohnänderung um 1 Prozent führt somit zu einer Änderung der Verbraucherpreise um rund 0,3 Prozent“, schreiben die Expertinnen und Experten. Zwar lasse sich für Deutschland für den Zeitraum ab 1970 „eine gewisse Evidenz“ dafür finden, dass sich die Weitergabe von Lohnschocks in die Preise abgeschwächt habe. Der Rückgang sei seit der Finanzkrise in den Jahren 2007/2008 jedoch nur gering gewesen und „zuletzt zum Erliegen gekommen“.

Zusammenhang zwischen Lohnkosten und Preisen

Die Entwicklung der Löhne ist von zentraler Bedeutung für die Prognose der Preisentwicklung und somit auch für die Geldpolitik. Allerdings hängt der Einfluss der Löhne auf die Verbraucherpreise von einer Reihe von Faktoren ab, wie zum Beispiel vom Wirtschaftszweig, in dem die Löhne steigen, oder von der Zusammensetzung des Warenkorbs des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI). „Generell gilt, dass der Einfluss von Löhnen auf die Preise umso größer ist, je lohnkostenintensiver die Produktion ist“, so die Fachleute. Hohe Lohnkostenanteile bestehen vor allem bei arbeitsintensiven Dienstleistungen wie dem Friseurhandwerk oder Reinigungsdiensten. Niedrige Lohnkostenanteile weisen beispielsweise Mieten und Energie auf. Betrachtet man den gesamten Güterkorb des HVPI kommen die Fachleute zu dem Ergebnis, dass der Lohnkostenanteil bei etwa 30 Prozent liegt.