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Studie: Steigen die Aktien, wächst die Ungleichheit

Studie: Steigen die Aktien, wächst die Ungleichheit

Beeinflussen Preisanstiege von Aktien, Anleihen oder Immobilien die Verteilung der Vermögen in den Euro-Ländern? Unter der Überschrift "Distributional Consequences of Asset Price Inflation in the Euro Area" sind Ökonomen der Universität Mannheim und des Forschungszentrums der Bundesbank dieser Frage in einer Studie nachgegangen. Dazu analysierten sie, wie sich eine hypothetische Preissteigerung der drei verschiedenen Vermögensklassen um jeweils 10 Prozent auf die wirtschaftliche Situation der Haushalte in den Ländern im europäischen Währungsgebiet auswirken würde.

Steigen die Preise von Aktien, werden insbesondere reiche Haushalte noch vermögender, fanden die Ökonomen heraus. Der Grund dieser Wertsteigerungen sei, dass Aktien in den Euro-Ländern überwiegend von den vermögendsten 5 Prozent gehalten würden. Ein Anstieg der Aktienpreise führe deshalb dazu, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter aufginge, heißt es in der Studie. Dieser Effekt zeigt der Gini-Koeffizient an, der Experten als Maß für die Ungleichheit in einem Land dient und von null (völlige Gleichheit) bis eins (extreme Ungleichheit) reicht. Steigen die Aktienpreise um 10 Prozent, steigt der Koeffizient der Studie zufolge um 0,5 Prozent.

Bei einem Anstieg der Preise von Anleihen beobachteten die Ökonomen hingegen keine vergleichbaren Auswirkungen. "Von einem Preisanstieg der Anleihen bleibt die Vermögensverteilung weitgehend unberührt", heißt es in der Studie. Dies liege daran, dass sowohl vermögende als auch weniger vermögende Haushalte Anleihen halten, beispielsweise über kapitalbildende Lebensversicherungen. Der Gini-Koeffizient verändere sich deshalb durch den Preisanstieg kaum.

"Diese Ergebnisse gelten für die Eurozone als Ganzes, sowie für die einzelnen Länder der Eurozone", heißt es in dem Diskussionspapier. Ein Großteil der Menschen werde jedoch von einem Anstieg der Preise dieser Kapitalanlagen erst gar nicht betroffen. "Dreiviertel der Bevölkerung profitieren weder von einem Anstieg der Aktien- noch der Anleihepreise", schreiben die Ökonomen in dem Diskussions-Papier.

Die Mittelschicht profitiert

Bei Immobilien zeigt die Studie dagegen ein anderes Bild: "Immobilien besitzen in vielen Ländern auch Haushalte der mittleren Einkommens- und Vermögensschichten, in manchen Ländern auch ärmere", so die Forscher. Die finanzielle Situation dieser Haushalte bessere sich durch einen Anstieg der Preise relativ zu ihrem Vermögen deshalb besonders. Insbesondere die Mittelschicht profitiere. "Unter den Reichen macht der Immobilienbesitz einen geringeren Teil des Gesamtvermögens aus als in der Mittelschicht", erläutern die Forscher diese Ergebnisse. Auf diese Weise verringere ein Anstieg der Immobilienpreise die Kluft zwischen Arm und Reich im europäischen Währungsgebiet. Die Ungleichheit gehe hier, gemessen am Gini-Koeffizienten, um 0,6 Prozent zurück.


Allerdings zeigten sich hierbei deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedsländern. Am stärksten fällt der Koeffizient in Belgien, Finnland, den Niederlanden und Spanien (jeweils minus 1,2 Prozent). Am schwächsten unter allen Euroländern in Deutschland, mit minus 0,2 Prozent. Dies liege unter anderem daran, dass hierzulande viele Haushalte zur Miete und nicht im Eigenheim wohnen.

Mehr als 36 Millionen Haushalte nicht beeinflusst

Die Ökonomen identifizierten auch eine Gruppe, deren finanzielle Situation durch Preisanstiege der drei beschriebenen Kapitalanlagen gar nicht beeinflusst würde. "Mehr als 36 Millionen Haushalte in den Euro-Ländern haben nicht in langfristige Vermögenswerte wie Anleihen, Aktien oder Immobilien investiert", heißt es in der Studie. Diese Gruppe mache in etwa 20 Prozent der Haushalte im europäischen Währungsgebiet aus und verfüge typischerweise über ein geringes Einkommen und ein geringes Vermögen. Dies stehe im Kontrast zu den erheblichen Kapitalgewinnen von Haushalten, die langfristige Kapitalanlagen halten und in der Regel über ein höheres Einkommen und Vermögen verfügen.

Für ihre Untersuchung verwendeten die Ökonomen die Daten des "Household Finance and Consumption Survey", einer Untersuchung des Eurosystems zur Einkommens- und Vermögensverteilung in insgesamt 15 Euro-Ländern. Für die Untersuchung wurden insgesamt 62 000 Haushalte befragt, mehrheitlich im Jahr 2010.

Die Autoren des Diskussionspapiers sind Klaus Adam (Universität Mannheim) und Panagiota Tzamourani (Deutsche Bundesbank). Die in dem Diskussionspapier vertretenen Ansichten spiegeln nicht zwangsläufig die der Bundesbank oder ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wider.

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