Bargeld ist unverzichtbar für das Wirtschaftsleben Gastbeitrag in der "Börsen-Zeitung"

10.11.2016 | Carl-Ludwig Thiele

Bargeld ermöglicht einfaches, sicheres und schnelles Bezahlen und wird als Wertaufbewahrungsmittel geschätzt. Wegen dieser wichtigen Funktionen ist Bargeld heute ebenso ein fester Bestandteil des Wirtschaftslebens wie im Jahr 1916, dem Gründungsjahr des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB). Grundlage dieser Erfolgsgeschichte ist die zuverlässige Versorgung der Bevölkerung in Deutschland mit Bargeld, eine Aufgabe, die Bundesbank, Kreditwirtschaft sowie Geld- und Wertdienstleister gemeinsam erfüllen.

Steigende Nachfrage

Aktuell werden Euro-Banknoten und -Münzen von den 19 nationalen Notenbanken in Verkehr gegeben, die zum Eurosystem gehören. In Deutschland übernimmt die Deutsche Bundesbank diese Aufgabe. Das Eurosystem bietet dabei lediglich die Menge an Bargeld an, die nachgefragt wird. Daher ist der Wert der umlaufenden Euro-Banknoten und -Münzen ein direkter Indikator für die wirtschaftliche Bedeutung des Bargeldes. Waren Anfang 2002, unmittelbar nach der Einführung des Euro-Bargeldes, rund 220 Mrd. Euro in Form von Euro-Banknoten im Umlauf, waren es Ende 2004 bereits mehr als 500 Mrd. Euro. Ende 2014 überstieg der Euro-Banknotenumlauf erstmals die Schwelle von 1.000 Mrd. Euro. Derzeit sind Euro-Banknoten im Wert von beinahe 1.100 Mrd. Euro im Umlauf, zusätzlich Euro-Münzen im Wert von rund 27 Mrd. Euro (Stand 31. August 2016). Diese Zahlen zeigen den hohen Stellenwert des Euro-Bargeldes und zwar nicht nur innerhalb des Euro-Raums, sondern auch weltweit. Denn ein Teil des umlaufenden Euro-Bargeldes wird außerhalb des Euro-Raums als Zahlungs- oder Wertaufbewahrungsmittel verwendet. Darin zeigt sich das hohe Ansehen, das der Euro als Währung international genießt.

Da Euro-Banknoten frei über Ländergrenzen migrieren, ist es nicht unmittelbar möglich anzugeben, wie viele Euro-Banknoten in Deutschland umlaufen. Zur Ermittlung dieser Daten greift die Bundesbank auf wissenschaftliche Schätzverfahren zurück. Danach laufen in Deutschland Euro-Banknoten im Wert von 170 bis 200 Mrd. Euro um, wovon rund 140 Mrd. Euro dauerhaft aufbewahrt werden und 30 bis 60 Mrd. Euro zu Zahlungszwecken verwendet werden.

Nur ein relativ kleiner Teil der in Deutschland umlaufenden Euro-Banknoten dient also als Zahlungsmittel. Diese Banknoten zirkulieren aber besonders schnell zwischen Banken, Handel und Verbrauchern und bilden so die Grundlage der Bargeldverwendung. Untersuchungen der Bundesbank legen nahe, dass rund 79 Prozent aller Transaktionen am sogenannten Point-of-Sale und rund 53 Prozent der getätigten Umsätze mit Bargeld bezahlt werden. Bargeld ist damit das meistverwendete Zahlungsmittel im Alltag der Verbraucher. Obwohl Verbraucher in leicht zunehmendem Maße Karten und andere unbare Zahlungsmittel verwenden, steigt der Banknotenumlauf stetig an. Ursachen für diese Entwicklung dürfte die Verwendung von Euro-Bargeld als Zahlungsinstrument oder als Wertaufbewahrungsmittel im Ausland sein.

Dafür, dass Bürger und Unternehmen in Deutschland Bargeld unkompliziert und zuverlässig verwenden können, sorgen Bundesbank, Kreditwirtschaft sowie Geld- und Wertdienstleister gemeinsam. Die Bundesbank gibt Euro-Banknoten in den Umlauf und bereitet einen großen Teil der aus dem Zahlungsverkehr zurücklaufenden Banknoten auf. Dabei wird jede Banknote mit modernen Banknotenbearbeitungssystemen auf Echtheit und Umlaufsfähigkeit geprüft – und so die Qualität der umlaufenden Banknoten gesichert. Beim Münzgeld beschränkt sich die Bundesbank hingegen auf eine Großhändlerrolle, also auf die Ausgabe prägefrischer Münzen, den Spitzenausgleich in Form großer Verpackungseinheiten und die Rücknahme nicht mehr umlauffähiger Münzen. Damit wird die Absicht verfolgt, den größten Teil der Münzgeldbearbeitung privaten Akteuren zu überlassen.

Während die Bundesbank im Regelfall mit Großkunden in Geschäftsbeziehung steht, übernehmen die Kreditinstitute in Deutschland hauptverantwortlich die Versorgung der Endnutzer. Zahlen Bankkunden Bargeld bei Kreditinstituten ein, können die Kreditinstitute dieses entweder an die Bundesbank weiterleiten oder selber zur Wiederauszahlung aufbereiten. Dabei sind Kreditinstitute und auch andere Akteure gesetzlich verpflichtet, Banknoten und Münzen ebenfalls vor einer Wiederauszahlung auf Echtheit und Umlauffähigkeit zu prüfen. Dies geschieht in der Regel automatisiert über kombinierte Ein- und Auszahlungssysteme (Geldautomaten). Dabei dürfen nur Maschinen eingesetzt werden, die von der Bundesbank oder einer anderen Notenbank im Eurosystem getestet wurden und Falschgeld sowie nicht mehr umlauffähige Banknoten zuverlässig erkennen und aussortieren. Ohne Geld- und Wertdienstleister wäre eine zuverlässige Bargeldversorgung der Bevölkerung in Deutschland nicht denkbar, denn diese übernehmen Transport- und Dienstleistungsfunktionen.

Nur selten falsche Banknoten

In Zahlen lässt sich der Kreislauf des Bargeldes wie folgt beschreiben: Im Jahr 2015 zahlte die Bundesbank insgesamt rund 498 Mrd. Euro in Banknoten aus, zusätzlich rund 3,82 Mrd. Euro in Münzen. Die Einzahlungen bei Filialen der Bundesbank beliefen sich im Jahr 2015 auf rund 453 Mrd. Euro-Banknoten und rund 3,47 Mrd. Euro-Münzen. Im Jahr 2015 hat die Bundesbank in ihren Filialen 15 Mrd. Stück Banknoten bearbeitet und bei nahezu einer Milliarden Banknoten entschieden, dass diese nicht mehr die Anforderungen an eine Wiederausgabe erfüllen. Im Vergleich dazu bearbeiteten Kreditinstitute im Jahr 2015 rund 5 Mrd. Banknoten. Nur selten finden Bundesbank und andere Bargeldakteure falsche Banknoten im Bargeldumlauf: Im vergangenen Jahr betrug der Schaden durch gefälschte Banknoten in Deutschland 4,4 Mio. Euro; auf 10.000 Einwohner kommen dabei in Deutschland rechnerisch lediglich zwölf falsche Banknoten im Jahr.

Die Annahme und Bereitstellung von Bargeld verursacht in der Privatwirtschaft nicht unerhebliche Kosten. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ist das Bargeld gleichwohl nicht notwendigerweise teurer als andere Zahlungsmittel. Eine aktuelle, umfassende Studie, an der 13 nationale Zentralbanken aus dem Eurosystem teilnahmen, untersucht die Kosten von Bargeld und anderen Zahlungsmitteln. Nach dieser Studie schneidet das Bargeld bei den durchschnittlichen Kosten einer Transaktion günstiger ab als die betrachteten unbaren Zahlungsinstrumente. Bezieht man die Kosten einer Transaktion jedoch auf ihren Wert, ist beispielsweise die Debitkarte kostengünstiger. Diese Studie zeichnet, wie auch andere Untersuchungen, ein nicht eindeutiges Bild im Hinblick auf die Kosten verschiedener Zahlungsmittel.

Beunruhigend ist allerdings, dass Marktakteure zunehmend von Schwierigkeiten bzw. hohen Kosten bei der Versorgung mit Münzgeld berichten. Als Ursache für diese Situation kommen verschiedene Faktoren in Frage, etwa gestiegene EU-Anforderungen an die Echtheitsprüfungen von Münzen oder eine zunehmend zentralisierte Infrastruktur zur Münzgeldversorgung bzw. -entsorgung. Die Bundesbank beobachtet diese Marktentwicklung aufmerksam und wird sich dafür einsetzen, gemeinsam mit anderen Bargeldakteuren Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Unerwünschte Verwendung

Mit Blick auf unerwünschte Verwendungen von Bargeld im Zusammenhang mit Kriminalität oder Geldwäsche wird aktuell die Einführung einer Obergrenze für Barzahlungen diskutiert. Bei Barzahlungen werden Banknoten und Münzen direkt gegen Waren oder Dienstleistungen getauscht, so dass, anders als etwa bei Kartenzahlungen, die Identität der Vertragsparteien nicht festgehalten wird. Diese an sich wünschenswerte Eigenschaft des Bargeldes schützt die Privatsphäre der Bargeldnutzer, erlaubt es jedoch auch, ohne Kenntnis Dritter wirtschaftliche Leistungen anzubieten oder kriminelle Transaktionen durchzuführen. Die Bekämpfung von Schwarzarbeit und Kriminalität ist eine wichtige Aufgabe der Politik. Es sind der Bundesbank jedoch keine Belege dafür bekannt, dass Einschränkungen bei der Verwendung von Bargeld tatsächlich helfen, Steuerhinterziehung oder Kriminalität zu reduzieren.

Bargeld hat viele Eigenschaften, die den Menschen wichtig sind: es ist einfach, schnell und sicher, es bietet Privatsphäre und es ist ohne technische Hilfsmittel nutzbar. Die Bundesbank bekennt sich klar zum Bargeld, das in Deutschland auch weiterhin gesetzliches Zahlungsmittel und ein unverzichtbares Bestandteil des Wirtschaftslebens sein wird.