Basel III-Monitoring: Rekalibrierung des Marktrisikos zeigt Wirkung

02.10.2019 | Deutsche Bundesbank

Im Vergleich zur Vorperiode sind die Auswirkungen aus dem finalen Basel III-Reformpaket für eine deutsche Stichprobe leicht gesunken. Der leichte Rückgang lässt sich dabei wesentlich auf die Überarbeitungen im Bereich Marktrisiko (FRTB) zurückführen, welche im Januar 2019 vom Baseler Ausschuss veröffentlicht und nun erstmalig in den Auswirkungsstudien berücksichtigt wurden. Dies zeigen die Ergebnisse einer heute veröffentlichten Auswirkungsstudie der Deutschen Bundesbank. Sie untersucht seit 2011 halbjährlich, wie sich die Eigenkapitalreformen und die Liquiditätsstandards aus den Basel III-Reformpaketen auf deutsche Institute auswirken.

Für die aktuelle Studie stellten 32 Institute Daten zur Verfügung, davon sieben der Gruppe 1, welche über eine Kernkapitalausstattung von mindestens 3 Mrd € verfügen und international aktiv sind, sowie 25 weitere Institute, die der Gruppe 2 zugeordnet werden.

Die Vollumsetzung des finalen Basel III-Reformpakets zum Stichtag 31.12.2018 führt im Mittel zu einem Anstieg der Mindestkapitalanforderungen für deutsche Institute i.H.v. 22,2 %. Somit sind die Auswirkungen im Vergleich zu den Ergebnissen der Vorperiode (Stichtag 30.06.2018) um 1,4 Prozentpunkte gesunken. Nach wie vor ist der Output-Floor der Haupttreiber des Anstieges. Dessen Auswirkungen erhöhen sich entlang seiner Einführungsphase von 0,2 % im Jahr 2022 bei einer Höhe von 50 % auf 17,6 % im Jahr 2027 bei der Zielgröße von 72,5 %.

Der Gesamtkapitalbedarf bei einer Vollumsetzung des finalen Basel III-Reformpakets hat sich im Vergleich zur vergangenen Erhebung von 15,5 Mrd € auf 14,0 Mrd € leicht verringert. Dies entspricht rund einem Viertel des Kapitalbedarfs aus der erstmaligen Erhebung zum Stichtag 30.06.2011.

Von besonderem Interesse sind zu diesem Stichtag die Auswirkungen für den Bereich Marktrisiko. Die Erhebung berücksichtigt erstmalig die im Januar 2019 durch den Baseler Ausschuss veröffentlichten Überarbeitungen des Fundamental Review of the Trading Book (FRTB). Obwohl ein Vergleich zur Vorperiode aufgrund von Bestandsänderungen im Handelsbuch erschwert wird, zeigt die Überarbeitung die erwartete Wirkung. Konkret reduziert sich der Anstieg der Mindestkapitalanforderungen für den Bereich Marktrisiko von 110 % (Stichtag 30.06.2018) auf 82 %.

Mit der Überarbeitung des FRTB wurde die letzte Stellschraube des Baseler Reformpakets zum Abschluss gebracht. „Die Umfrage zeigt nun, dass die Überarbeitung des Marktrisikos im Baseler Reformpaket die gewünschte Wirkung erzielt“, erläuterte Joachim Wuermeling, der für Banken- und Finanzaufsicht zuständige Vorstand der Deutschen Bundesbank. Der nächste Schritt wird die Umsetzung der Baseler Reformen in europäisches Recht sein. Hierzu betonte Wuermeling: „Die Bundesbank setzt sich für eine streng konforme Umsetzung ein. Dies ist nach unserer Kenntnis auch die Absicht unserer weltweiten Partner.“ „Die Ergebnisse der Umfrage stimmen mich positiv, dass die deutschen Institute die kommenden Anforderungen gut verkraften werden“, so Wuermeling weiter und er ergänzte: „Die jüngsten Pläne zur Restrukturierung im deutschen Bankenmarkt sind in der Umfrage mit Stichtag Ende 2018 noch nicht berücksichtigt und bis zur vollständigen Umsetzung der Reformen im Jahr 2027 ist ausreichend Zeit für weitere Anpassungen.“

Die ebenfalls untersuchten Anforderungen an die Liquiditätsausstattung der Institute werden nahezu flächendeckend erfüllt. Alle Institute weisen eine Liquidity Coverage Ratio (LCR) von über 100 % auf. Zur Erfüllung der Net Stable Funding Ratio (NSFR) besteht weiterhin ein geringer zusätzlicher Bedarf an stabiler Finanzierung.

Die halbjährliche Datenanalyse der Deutschen Bundesbank findet im Rahmen des Basel III-Monitoring des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht und der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) statt. Beide Institutionen haben heute ebenfalls ihre Berichte zum Stichtag 31.12.2018 veröffentlicht. An der europäischen Erhebung beteiligten sich 120 Institute aus 18 EU-Mitgliedsländern auf freiwilliger Basis.