Die deutsche Zahlungsbilanz im Oktober 2016

12.12.2016 | Deutsche Bundesbank

Leistungsbilanzüberschuss gesunken

Die deutsche Leistungsbilanz verzeichnete im Oktober 2016 einen Überschuss von 18,4 Mrd €. Das Ergebnis lag um 6,0 Mrd € unter dem Niveau des Vormonats. Wesentlich dafür war die Verminderung des Aktivsaldos im Warenhandel. Dagegen veränderte sich das Defizit im Bereich der "unsichtbaren" Leistungstransaktionen, die Dienstleistungen sowie Primär- und Sekundäreinkommen umfassen, nur wenig.

Der Überschuss im Warenhandel ging im Vormonatsvergleich um 5,7 Mrd € auf 20,2 Mrd € im Oktober zurück. Dabei nahmen die Warenexporte ab, während sich die Warenimporte wertmäßig praktisch nicht veränderten.

Bei den "unsichtbaren" Leistungstransaktionen nahm der Passivsaldo lediglich geringfügig um 0,3 Mrd € auf 1,8 Mrd € im Oktober zu. Ausschlaggebend war, dass die Ausweitung des Defizits bei den Sekundäreinkommen beinahe durch höhere Nettoeinnahmen bei den Primäreinkommen ausgeglichen wurde, während sich der Minussaldo in der Dienstleistungsbilanz (von 3,5 Mrd €) praktisch auf dem Vormonatsstand hielt. Das größere Defizit bei den Sekundäreinkommen (3,8 Mrd €, nach 2,7 Mrd € im September) hing insbesondere mit niedrigeren Einnahmen des Staates aus laufenden Steuern Gebietsfremder auf Einkommen und Vermögen zusammen. Die Nettoeinnahmen bei den Primäreinkommen stiegen von 4,7 Mrd € auf 5,5 Mrd €. Dahinter standen vor allem geringere Zahlungen für Dividenden aus Wertpapieranlagen sowie Dividenden und ausgeschüttete Gewinne aus Beteiligungskapital Gebietsfremder, die den Rückgang der Einkünfte gebietsansässiger Investoren aus den entsprechenden Kapitalengagements im Ausland überwogen.

Mittelabflüsse im Wertpapierverkehr

Auch im Oktober beeinflusste die Geldpolitik in den großen Währungsräumen die Entwicklung an den internationalen Finanzmärkten. Vor diesem Hintergrund ergaben sich im grenzüberschreitenden Wertpapierverkehr Deutschlands Netto-Kapitalexporte in Höhe von 20,9 Mrd €. Diese Mittelabflüsse waren im Wesentlichen von dem Rückgang inländischer Wertpapiere in der Hand von Ausländern geprägt (16,0 Mrd €). Gebietsfremde Investoren trennten sich vor allem von deutschen Staatsanleihen (19,0 Mrd €), wozu auch Käufe der Bundesbank im Rahmen des erweiterten Wertpapierankaufprogramms des Eurosystems (APP) beitrugen. Darüber hinaus verkauften sie Geldmarktpapiere (7,3 Mrd €). Sie erwarben hingegen private Anleihen (6,6 Mrd €) und Aktien (3,5 Mrd €). Gebietsansässige Anleger kauften per saldo ausländische Wertpapiere für 4,9 Mrd €. Ausschlaggebend war der Erwerb von Investmentzertifikaten (6,4 Mrd €) und Aktien (1,6 Mrd €). Dagegen trennten sie sich von Anleihen (2,4 Mrd €) und Geldmarktpapieren (0,7 Mrd €).
Im Bereich der Direktinvestitionen kam es im Oktober ebenfalls zu Netto-Kapitalexporten, und zwar in Höhe von 14,0 Mrd €. Heimische Unternehmen führten verbundenen Unternehmen im Ausland per saldo Mittel in Höhe von 8,9 Mrd € zu. Dies erfolgte sowohl über eine Aufstockung des Beteiligungskapitals (6,9 Mrd €) als auch über eine Ausweitung konzerninterner Kredite (2,0 Mrd €). Ausländische Unternehmen zogen aus ihren hiesigen Niederlassungen per saldo Direktinvestitionsmittel in Höhe von 5,0 Mrd € ab, was ausschließlich auf den Abbau konzerninterner Kredite zurückzuführen war (5,9 Mrd €). Demgegenüber stockten sie das Beteiligungskapital an gebietsansässigen Töchtern geringfügig auf (0,9 Mrd €).
Dagegen ergaben sich im übrigen statistisch erfassten Kapitalverkehr, der sowohl Finanz- und Handelskredite (soweit diese nicht zu den Direktinvestitionen zählen) als auch Bankguthaben und sonstige Anlagen umfasst, Netto-Kapitalimporte in Höhe von 13,0 Mrd €. Ursächlich hierfür war vor allem das Mittelaufkommen bei Unternehmen und Privatpersonen (netto 8,8 Mrd €). Während der Staat ebenfalls Netto-Kapitalimporte verzeichnete (5,9 Mrd €), stellten monetäre Finanzinstitute dem Ausland per saldo Mittel zu Verfügung (4,6 Mrd €). Die Netto-Auslandsposition der Bundesbank verminderte sich um 2,8 Mrd €. Dahinter stand eine Abnahme der Forderungen der Bundesbank aus den TARGET2-Salden um 7,7 Mrd €. Zugleich sanken ihre Auslandsverbindlichkeiten um 4,9 Mrd €.

Die Währungsreserven der Bundesbank nahmen im Oktober – zu Transaktionswerten gerechnet – leicht ab (0,1 Mrd €).