Januar-Ergebnisse der Umfrage zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) in Deutschland

21.01.2020 | Deutsche Bundesbank EN

  • Die deutschen Banken verschärften die Kreditbedingungen im Firmenkundengeschäft und im Bereich der privaten Baufinanzierung durch Margenausweitungen.
  • Die Kreditvergaberichtlinien im Firmenkundengeschäft und im Bereich der privaten Wohnungsbaukredite blieben unverändert.
  • Die Nachfrage stieg erneut in allen erfragten Kreditsegmenten.
  • In der zweiten Jahreshälfte 2019 hatte der Anteil notleidender Kredite (NPL-Quote) keine Auswirkungen auf Änderungen der Kreditvergabepolitik.
  • Am zweiten gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäft (GLRG III) vom Dezember 2019 beteiligten sich vier Banken aus der deutschen Stichprobe des Bank Lending Survey. Sie gaben an, die aufgenommenen Mittel in erster Linie für die Substitution der im Rahmen der GLRG II aufgenommen Mittel und die Kreditvergabe verwenden zu wollen.

Die Umfrage zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) erfasst drei Kreditsegmente: Unternehmenskredite; Wohnungsbaukredite an private Haushalte; Konsumentenkredite und sonstige Kredite an private Haushalte. Die befragten Banken ließen die Kreditrichtlinien (d. h. die internen Richtlinien oder Kriterien einer Bank für die Gewährung von Krediten) im Unternehmensgeschäft im vierten Quartal 2019 unverändert. Auch die Richtlinien für die Vergabe von privaten Wohnungsbaukrediten und diejenigen für Konsumentenkredite und sonstige Kredite änderten die Banken nicht.

Im Firmenkundengeschäft verschärften die befragten Institute die Kreditbedingungen (d. h. die in den Kreditverträgen vereinbarten tatsächlichen Bedingungen für die Gewährung von Krediten). So weiteten die Kreditinstitute erneut vor allem die Margen bonitätsübergreifend aus. Als Grund hierfür meldeten die Banken vor allem einen restriktiv wirkenden Einfluss der Refinanzierungskosten und bilanziellen Restriktionen. Auch im privaten Wohnungsbaukreditgeschäft verschärften die Banken die Kreditbedingungen für die Darlehensnehmer. Dies äußerte sich hauptsächlich in einer Ausweitung der Margen für risikoreichere Ausleihungen. Die Margen für Konsumentenkredite und sonstige Kredite verengten die Institute dagegen bonitätsunabhängig. Weitere abgefragte Bedingungen in diesem Kreditsegment, wie die Anforderungen an die Sicherheiten oder die Kreditnebenkosten, blieben per saldo unverändert.

Die Kreditnachfrage legte laut Angaben der Banken in allen erfragten Geschäftsfeldern erneut zu, vor allem im Wohnungsbaukreditgeschäft. Gleichwohl blieb der Anstieg im Bereich der privaten Baufinanzierung hinter der dynamischen Entwicklung der beiden Vorquartale zurück. Getrieben war der aktuelle Nachfrageanstieg in allen Kreditsegmenten vor allem vom niedrigen allgemeinen Zinsniveau. Im Bereich der Wohnungsbaukredite spielte zusätzlich die optimistische Einschätzung der privaten Haushalte hinsichtlich der Aussichten auf dem Wohnungsmarkt und der Entwicklung der Preise für Wohneigentum eine Rolle.

Die Januar-Umfrage enthielt zusätzliche Fragen zu den Refinanzierungsbedingungen der Banken, zu den Auswirkungen der neuen regulatorischen und aufsichtlichen Aktivitäten (hierzu zählen unter anderem die in der CRR/CRD IV festgelegten Eigenkapitalanforderungen und die aus dem Comprehensive Assessment resultierenden Anforderungen) sowie Fragen zu den Auswirkungen notleidender Kredite auf die Kreditvergabepolitik der Institute. Erstmalig wurden die Banken zudem zu den gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften III (GLRG III) des Eurosystems befragt.

Die deutschen Banken berichteten vor dem Hintergrund der Lage an den Finanzmärkten von einer im Vergleich zum Vorquartal kaum veränderten Refinanzierungssituation. Im Zuge der neuen regulatorischen und aufsichtlichen Aktivitäten stärkten sie in der zweiten Jahreshälfte 2019 ihre Eigenkapitalposition weiter. Im gleichen Zeitraum hatte die Höhe der NPL-Quote (prozentualer Anteil des NPL-Bestands (brutto) am Bruttobuchwert der Kredite) gemäß den Angaben der befragten Banken keine Auswirkungen auf ihre Kreditvergabepolitik.

Während am ersten GLRG III vom September 2019 keine Bank aus der deutschen Stichprobe des Bank Lending Survey teilgenommen hatte, beteiligten sich am Dezember-Geschäft vier Banken aus der Stichprobe. Diese Banken nahmen ihren Angaben zufolge hauptsächlich teil, um die attraktiven Bedingungen des Geschäfts nutzen zu können. Sie gaben an, die Mittel zur Substitution von GLRG II-Mitteln eingesetzt zu haben. Dem geldpolitischen Zweck der Maßnahme entsprechend wollen die Banken die Liquidität für die Kreditvergabe an den nichtfinanziellen Sektor verwenden. Die GLRG III hatten positive direkte oder indirekte Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Banken in Form verbesserter Finanzierungsbedingungen sowie einer komfortableren Liquiditätsposition. Auf die Kreditstandards und -bedingungen hatten sie jedoch keinen Einfluss.

Die viermal im Jahr durchgeführte Befragung zum Kreditgeschäft fand in der Zeit vom 6. bis zum 27. Dezember 2019 statt. An der Umfrage nahmen in Deutschland 34 Banken teil. Die Rücklaufquote lag bei 100 %.