Die Zukunft des Bargeldes 5. Deutscher Bargeldlogistik Kongress 2015

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

vielen Dank für die Einladung zum 5. Deutschen Bargeldlogistik Kongress. Ich freue mich über die Gelegenheit, den zweiten Kongresstag mit dem Thema "Die Zukunft des Bargeldes" zu eröffnen.

Warum ist es wichtig, genau darüber zu sprechen?

Auch wenn Bargeld – gefühlt – schon immer war und auch derzeit ist, muss es seine historisch betrachtet dominierende Rolle mit innovativen Zahlungsinstrumenten teilen. Wegen unseres Fortschrittstrebens und der damit einhergehenden Veränderungen, kommen wir an der Frage, ob Bargeld auch in Zukunft sein erhalten bleibt nicht vorbei.

Es gab gerade in jüngster Vergangenheit verstärkt Rufe, das Bargeld solle komplett abgeschafft werden. Auch der anerkannte amerikanische Ökonom Kenneth Rogoff hat genau dies gefordert. Seine Argumente sind: Eine Abschaffung von Bargeld würde illegale Aktivitäten der Kriminellen und Steuerhinterzieher erschweren; außerdem könnte dann niemand mehr geldpolitisch gewollten Negativzinsen ausweichen. Rogoffs Forderung ist aber nicht in einem besonderen Interesse am Zahlungsverkehr begründet. Sein Postulat hat er mit Blick auf die Durchschlagskraft geldpolitischer Maßnahmen formuliert.

Es sind andere Institutionen und Bargeldakteure, die martialisch den "War on Cash" proklamieren: Wurde dem Bargeld doch schon seit langem unterstellt, es sei wahlweise teuer, altmodisch oder schmutzig. Ein bekannter Slogan aus Schweden, der dazu passt, lautet: "Bargeld braucht nur noch deine Oma – und der Bankräuber". Diese Sicht auf das Bargeld ist sehr einseitig. Ich möchte heute die Gelegenheit nutzen, zu verdeutlichen, warum wir Bargeld weiterhin als Wertaufbewahrungsmittel und Zahlungsinstrument brauchen und eine Abschaffung keine gute Idee ist.

1 Bargeld als Wertaufbewahrungsmittel

Was die Wertaufbewahrungsfunktion betrifft, so dürften dafür aus Effizienzgründen in erster Linie Euro-Banknoten mit höherem Nennwert dienen. Die mit der Hortung von Bargeld verbundenen Nachteile – wie zum Beispiel anfallende Schließfachkosten oder das bestehende Verlustrisiko – sprechen eigentlich gegen das Sparen in Form von Bargeld. Dennoch haben viele Menschen gute Gründe, Geld bar aufzubewahren. So ist Bargeld das liquideste Zahlungsmittel; außerdem sind Banknoten Zentralbankgeld. Dies ist insbesondere in Zeiten erhöhter Unsicherheit von Bedeutung, in denen die Bevölkerung physisch greifbares Geld einer Notenbank halten möchte, anstatt Forderungen gegenüber einer Geschäftsbank zu haben. So war beispielsweise die Bargeldnachfrage während der Finanzkrise im Oktober 2008 stark gestiegen.

Gleiches gilt in Ländern mit einer hohen Inflation oder in denen ich nicht weiß, ob ich am nächsten Tag noch Bargeld von meiner Bank abheben kann, ob ich damit aus dem Buchgeld in Bargeld komme. Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Menschen in Zypern diese Erfahrung gemacht haben.

Wer Bargeld zur Wertaufbewahrung hält, muss gleichwohl einen weiteren Nachteil in Kauf nehmen: Es ist unverzinslich. Lassen Sie mich an dieser Stelle kurz über den Zusammenhang zwischen Bargeldnachfrage und Zinsniveau sprechen. Die Annahme ist, dass ein Zusammenhang zwischen der Höhe der Zinsen und der Bargeldpräferenz zu Wertaufbewahrungszwecken besteht. Ein niedriges Zinsniveau würde also den Aufbau von Horten begünstigen, da die Opportunitätskosten der Bargeldhaltung sinken. Und tatsächlich haben die privaten Haushalte in Deutschland im Jahr 2013 ihr Bargeldvermögen um 11 Milliarden Euro aufgestockt. Im selben Jahr erhöhten sich jedoch auch ihre Bankeinlagen um knapp 56 Milliarden Euro. Damit kann die Annahme nicht bestätigt werden, dass niedrige Zinsen die Bargeldhaltung zur Wertaufbewahrung steigern. Das in Form von Bargeld gehaltene Vermögen – 115 Milliarden Euro – macht insgesamt nur einen sehr kleinen Teil des gesamten Geldvermögens der privaten Haushalte in Deutschland aus, welches sich Ende 2013 auf knapp 5 Billionen Euro belief.

Die Erhöhung des Bargeldvermögens muss also im Kontext allgemeiner Portfolioumschichtungen gesehen werden. Im Umfeld niedriger Zinsen ist bereits seit Längerem eine Präferenz der privaten Haushalte für leicht liquidierbare und risikoarme Anlageformen zu erkennen. Der Zusammenhang zwischen Zinsniveau und Banknotennachfrage ist ökonometrischen Schätzungen der Bundesbank zufolge – zumindest langfristig – nur schwach ausgeprägt.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

lassen Sie mich noch ein paar Worte zu dem derzeit sehr niedrigen Zinsniveau sagen, das verschiedentlich beklagt wird. Dieses führt dazu, dass sichere Kapitalanlagen kaum noch oder gar keine Renditen mehr für die Sparerinnen und Sparer abwerfen. Auf der anderen Seite liegt die Inflationsrate mit 0,1 Prozent deutlich unter den Nominallohnsteigerungen und damit so niedrig wie fast noch nie in unserem Land.

Und was ist mit negativen Zinsen? Mit der Entscheidung des EZB-Rates im Juni 2014, einen negativen Zinssatz auf die Einlagefazilität zu erheben, ist die negative Verzinsung in aller Munde und viele Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen fragen sich, was das für sie bedeutet. Bei den privaten Haushalten ist diese Art der Anlageverzinsung jedoch noch nicht angekommen. Daher schichten die Privaten ihr Portfolio auch nicht in Bargeld um. Auch bei den Geschäftsbanken ist keine wesentliche Veränderung ihres Verhaltens erkennbar. Weder sinkt das in der Einlagefazilität geparkte Geld, noch erhöhen sich die Kassenbestände. Auch von daher ist Kenneth Rogoffs Schlussfolgerung, man müsse das Bargeld abschaffen, damit eine negative Verzinsung Sinn macht, bislang unzutreffend.

Ob das Bargeld zukünftig jedoch eine stärkere Rolle bei der Umgehung eines negativen Zinsniveaus spielen wird, kann derzeit noch nicht beurteilt werden. Dies hängt sicherlich von der zukünftigen Höhe des Zinssatzes sowie einer eventuellen Weiterreichung an die Privatkunden ab. Ungeachtet der geldpolitischen oder ökonomischen Fragen, sollte die nicht kalkulierbare Reaktion der Bürgerinnen und Bürger bedacht werden. Wenn das Sparen bestraft würde, wäre der Aufschrei in Deutschland groß.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

lassen Sie mich ein Zwischenfazit ziehen: Bargeld ist eine sichere und jederzeit verfügbare Geldanlage, die zum Portfolio vieler Menschen unverzichtbar dazu gehört. Ungeachtet des Zinsniveaus schätzen viele das Bargeld im In- und Ausland als Bestandteil risikoloser, liquider Anlageformen.

2 Bargeld als Transaktionsmedium

Doch nicht nur als Wertaufbewahrungsmittel erfreut sich Bargeld großer Beliebtheit. Auch am Point-of-Sale ist Bargeld nach wie vor das meistgenutzte Zahlungsinstrument, wie die Ergebnisse unserer zweiten Studie zum Zahlungsverhalten aus dem Jahr 2011 gezeigt haben. Bargeld wird bei mehr als 80 % aller Transaktionen genutzt – primär für Kleinbetragszahlungen. Der wertmäßige Anteil beläuft sich mit 53 % auf mehr als die Hälfte aller Transaktionen. Derzeit warten wir sehr gespannt auf die Ergebnisse unserer laufenden Studie – der dritten Studie – zum Zahlungsverhalten in Deutschland, über die ich voraussichtlich noch im ersten Quartal dieses Jahres berichten werde.

Mit 94 % verfügen außerdem fast alle Befragten über mindestens eine girocard. Rund 28 % der Umsätze am Point-of-Sale werden mittlerweile damit bezahlt. Zum Vergleich: 2008 waren es noch 25,5 %. Die girocard ist daher das mit Abstand wichtigste unbare Zahlungsinstrument am Point-of-Sale.

Waren und Dienstleistungen werden immer häufiger über das Internet erworben. So kauften 2011 57 % der Befragten im Internet ein, im Jahr 2008 lag dieser Wert noch bei 42 %. Diese Entwicklung fördert die Nutzung unbarer Zahlungsinstrumente, insbesondere Internetbezahlverfahren. Zwar gibt es auch Innovationen, mit denen man Interneteinkäufe bar bezahlen kann – wie zum Beispiel das Verfahren "Barzahlen" in dm-Märkten –, dennoch ist zu erwarten, dass auch in Zukunft vor allem die Anbieter unbarer Zahlungsverfahren von wachsenden Interneteinkäufen profitieren. Dabei müssen jedoch nicht alle unbaren Verfahren in gleichem Maße Nutznießer sein. Der Erfolg eines bargeldlosen Zahlungsinstruments kann durchaus zu Lasten eines anderen unbaren Verfahrens gehen.

Schließlich ist bemerkenswert, dass 40 % der Kundinnen und Kunden bei der Wahl der Zahlungsinstrumente festgelegt sind: 28 % der Befragten zahlen immer bar, 12 % unbar, wo immer es geht. Die verbleibenden 60 % der Kundschaft entscheidet sich an der Kasse, welches Zahlungsinstrument genutzt wird. Dies erschwert es den Innovationen im Zahlungsverkehr sich durchzusetzen.

Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass die Bevölkerung in Deutschland ihr Zahlungsverhalten nur langsam ändert. Mittelfristig lautet die Prognose, dass der wertmäßige Barzahlungsanteil unter die 50 %-Marke sinken wird. Das wird jedoch nicht abrupt passieren.

Sie sehen also, dass Banknoten und Münzen in Deutschland ein wichtiges und beliebtes Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel sind. Diese Funktionen können nicht ohne Weiteres von alternativen Zahlungsinstrumenten und Geldanlageformen übernommen werden.

Bargeld weist nämlich einige einzigartige Eigenschaften auf:

  • es ist für jedermann verfügbares Zentralbankgeld,
  • es hinterlässt keine Datenspuren und schützt die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger,

  • es kann ohne technische Hilfsmittel zum Bezahlen genutzt werden und dient daher als Ausfalllösung für unbare Zahlungsinstrumente und
  • es garantiert die sofortige und vollständige Vertragserfüllung am Point-of-Sale – Ware gegen Geld.

Die Deutsche Bundesbank gibt keine Empfehlung, ob der Bürger Bargeld oder unbare Zahlungsinstrumente nutzen soll. Es ist das Recht des Bürgers, diese Entscheidung selbständig zu treffen.

Wie bereits erwähnt, gibt es aber Einzelne, die die komplette Abschaffung des Bargelds fordern.

3 Argumente gegen die Forderung nach Abschaffung des Bargelds

Lassen Sie uns die Argumente von Kenneth Rogoff und anderen, die eine komplette Abschaffung des Bargelds fordern, näher betrachten. Zunächst das Argument von Kenneth Rogoff: Die Verwendung von Bargeld würde Kriminellen, Schwarzarbeitern oder Steuerhinterziehern das Leben erleichtern. Ich bin der festen Überzeugung, dass schattenwirtschaftliche oder kriminelle Aktivitäten ohne Bargeld vielleicht schwieriger, aber noch lange nicht unmöglich würden. Ich denke, dass bei der Abschaffung von Bargeld Ausweichmöglichkeiten gefunden würden. Eine effektive Eindämmung der Schattenwirtschaft wird ohnehin nicht über die Abschaffung von Bargeld erreicht, und das organisierte Verbrechen käme auch ohne Euro-Bargeld aus. Es könnte auf andere Währungen, Edelmetalle oder Naturalwährungen ausweichen.

Auch die Abschaffung hoher Nominale, wie zum Beispiel der 200 €- und der 500 €-Scheine, die nach Ansicht der Bargeld-Gegner hauptsächlich für kriminelle Zwecke und zur Steuerhinterziehung genutzt werden, würde lediglich zu einer Verschiebung auf andere Nominale oder ein Ausweichen auf alternative Zahlungsmittel führen. Eine signifikante Reduktion krimineller Aktivitäten in Staaten, die auf die Emission größerer Stückelungen verzichten, wie zum Beispiel die USA, konnte ich bisher nicht feststellen.

Was das Argument der Verschmutzung von Banknoten betrifft, so ist die Gefahr der Übertragung von Viren und Bakterien bei Bargeld nicht größer als bei Zeitungen und wahrscheinlich kleiner als bei der Tastatur von Kartenterminals. Die relative gesundheitliche Unbedenklichkeit von Banknoten wurde bereits bei Untersuchungen im Zusammenhang mit der Vogel- und Schweinegrippe festgestellt.

Schließlich möchte ich noch ausführlicher auf ein Argument eingehen, das immer wieder angeführt wird und gerade für Sie als Bargeldlogistiker von Interesse ist: Bargeld sei teuer.

So kommt eine vor ungefähr zwei Jahren veröffentlichte Studie zu den Kosten des Bargelds zu folgenden Aussagen:

  • "Entgegen der weitverbreiteten Meinung ist Bargeld, aus volkswirtschaftlicher Kostenperspektive, nicht das günstigste Zahlungsinstrument in Deutschland.

  • Das Bargeldsystem verursacht privatwirtschaftliche Kosten von rund 12,5 Mrd. Euro, dies entspricht einer jährlichen Kostenbelastung von rund 150 Euro pro Bürger.
  • In Anbetracht der Tatsache, dass der durchschnittliche Kaufbetrag im Einzelhandel etwa 20 Euro beträgt, ist Bargeld in den meisten Fällen nicht das günstigste Zahlungsinstrument.
  • Die deutsche Bevölkerung sollte erkennen, dass eine häufigere Kartennutzung in ihrem eigenen Interesse ist. Dies könnte helfen, die Kosten des Zahlungsverkehrssystems zu senken und folglich auch ihren eigenen Geldbeutel zu schonen."

Als geeignete Maßnahmen, um häufigere Kartenzahlungen zu erreichen, werden des Weiteren

  • spezifische Transaktionsgebühren,

  • Ein- und Auszahlungsgebühren am Geldausgabeautomat,

  • gesetzliche Höchstgrenzen für Barzahlungen sowie

  • die Einschränkung oder das Verbot von Barzahlungen an Automaten und für Handwerkerleistungen

empfohlen.

Die Studie, die – es wird niemanden überraschen – von einem Karten emittierenden Unternehmen gesponsert wurde, nimmt also sehr eindeutig Partei für die unbaren Zahlungsinstrumente. Meines Erachtens laufen die Schlussfolgerungen und Empfehlungen auf eine Einschränkung der Freiheit der Konsumenten hinaus.

Aber ist Bargeld wirklich teurer?

Dies ist jedoch nicht die einzige tendenziöse Studie und es ist bei derlei Veröffentlichungen immer von Interesse, wer diese Untersuchungen in Auftrag gibt oder finanziert. Die Kosten des Bargelds scheinen nicht zuletzt deswegen transparenter, da bestimmte Auftraggeber an der Ermittlung dieser Kosten interessiert sind, um den "War on Cash" zu führen. Ich kann versichern, dass die Deutsche Bundesbank die Zahlungspräferenz der Verbraucherinnen und Verbraucher in diesem Land nicht beeinflussen wird. Hinsichtlich dieser Fragestellung verhalten wir uns neutral. Auf mich persönlich trifft diese neutrale Position in besonderem Maße zu, da ich im Vorstand der Deutschen Bundesbank für den baren und unbaren Zahlungsverkehr zuständig bin.

Um also die Kosten des baren und auch des unbaren Zahlungsverkehrs in Deutschland sachlich und neutral zu ermitteln, hat die Deutsche Bundesbank eine Studie in Auftrag gegeben, die von zwei Professoren durchgeführt wird. Das erste Modul dieser mehrteiligen Studie ist 2014 erschienen. Es beinhaltet einen ausführlichen Überblick über Entwicklungstendenzen im Zahlungsverkehr und über bestehende Kostenstudien. Es wird deutlich herausgearbeitet, wie schwierig es ist, diese Kostendaten zu erheben und zu vergleichen. Außerdem wird aufgezeigt, dass in den bestehenden Kostenstudien die verschiedenen Zahlungsinstrumente mal als teuer, mal als preiswert klassifiziert werden, je nachdem, welche Bezugsgröße verwendet wird: die Kosten pro Transaktion, in Prozent des Umsatzes oder in Prozent des BIP. Pauschal zu argumentieren, Barzahlungen seien teuer, vereinfacht die komplexe Materie also viel zu sehr.

Für Deutschland stellen die Autoren dann eigene Schätzungen an: Der bare und unbare Zahlungsverkehr zusammen verursachen einen Ressourcenverbrauch in Höhe von 2 % des BIP. Ich freue mich schon auf die weiterführenden Module, mit denen diese Analysen verfeinert werden sollen und ebenso der Nutzen barer und unbarer Zahlungsinstrumente behandelt werden soll. Die Nutzenbetrachtung wird nämlich sehr häufig vernachlässigt.

In der aktuellen Diskussion um die Kosten des Bargelds findet noch ein spezielles Thema Beachtung: die Kosten des Bargeldhandlings von Kleinmünzen.

In einer Studie hat die EU-Kommission festgestellt, dass bei der Herstellung von 1 und 2 Cent-Münzen ein Verlust von mehr als einer Milliarde Euro entstehen würde. Genauere Nachforschungen in Deutschland haben aber ergeben, dass der Finanzminister – dem das Münzregal zusteht – auch bei diesen Münzen einen Gewinn macht.

Aus der bereits eingangs erwähnten Zahlungsverhaltensstudie der Deutschen Bundesbank aus dem Jahr 2011 geht hervor, dass die deutsche Bevölkerung eine positive Einstellung zu Kleinmünzen hat. Die Mehrheit der Befragten verwendet Kleinmünzen ganz normal zum Bezahlen, nur rund ein Drittel legt sie hingegen konsequent beiseite. Zudem ist die Mehrheit der Befragten gegen eine Abschaffung der Kleinmünzen.

Da das Ausgabe- und Münzprägerecht beim Bundesministerium der Finanzen liegt, entscheidet es auch über die Emission oder gegebenenfalls die Einstellung der Emission einzelner Münzstückelungen in Deutschland.

Aufgabe der Deutschen Bundesbank ist es, auf Euro lautende Münzen in den Zahlungsverkehr zu bringen. Sie wird ihren gesetzlichen Auftrag auch im Hinblick auf die Kleinmünzen jederzeit vollumfänglich erfüllen. Die Deutsche Bundesbank nimmt daher bezüglich der Nutzung von Kleinmünzen und der Einführung einer Rundungsregel eine neutrale, moderierende Position ein.

4 Fazit: Hat das Bargeld eine Zukunft?

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

jetzt habe ich viel über die Kosten des Bargelds gesprochen. Ich hoffe, es ist deutlich geworden, dass man nicht pauschal das Bargeld als teuer darstellen kann; so einfach ist es nicht, sofern man keine tendenziösen Ergebnisse veröffentlichen möchte. Für die Verbraucherinnen und Verbraucher, die die Zahlungsmittel letztlich nutzen, ist die Frage nach den Kosten ohnehin von untergeordneter Bedeutung. Auch befassen sich die Bürgerinnen und Bürger in der Regel nicht mit der Frage, ob das Bargeld auch bei weniger redlichen Menschen Verwendung findet. Und dass Geldscheine schmutzig sind, konnte auch nicht nachgewiesen werden. Die Deutsche Bundesbank hat ja auch die Aufgabe, die Banknoten umlauffähig – und das heißt die Qualität der umlaufenden Banknoten – hoch zu halten. Und nach meiner Einschätzung erfüllt die Bundesbank, diesen Sorgeauftrag – auch im internationalen Vergleich – mit hervorragenden Ergebnissen.

Was die Menschen dagegen am Bargeld schätzen, ist die Tatsache, dass die Verwendung von Banknoten und Münzen ihnen einen guten Überblick über ihre Ausgaben liefert. Außerdem finden sie, dass das Bezahlen mit Bargeld einfach, sicher und schnell funktioniert. Letztlich sprechen die Zahlen für sich: Immer noch werden über 50 % der Umsätze am Point-of-Sale bar bezahlt.

Zudem haben wir Jahr für Jahr eine Zunahme des Banknotenumlaufs. Bei der Einführung des Euro-Bargeldes im Jahr 2002 wurden 220 Mrd. Euro ausgegeben. Dieser Wert war 2004 schon auf 500 Mrd. Euro angestiegen. Und kurz vor Weihnachten 2014 erreichte der Banknotenumlauf mehr als 1.000 Mrd. Euro. Die Steigerung des Banknotenumlaufs betrug im vergangenen Jahr gut 6 %. Dieses Geld wurde von der Wirtschaft und den Verbraucher nachgefragt – denn nur so konnte es in Umlauf gebracht werden. Vor diesem Hintergrund bin ich der festen Überzeugung, dass das Bargeld noch lange nicht ausgedient und sehr wohl eine Zukunft hat. Jetzt wünsche ich Ihnen noch einen angenehmen Verlauf des Bargeldlogistik Kongresses und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.