Die Zukunft des Zahlungsverkehrs Rede auf dem Unternehmertag 2016

1 Einleitung

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Zahlungsverkehr ist gegenwärtig ein Thema, in dem sich viel bewegt, das aber auch die Gemüter bewegt. Derzeit bringt die Diskussion um die Abschaffung der 500-Euro-Banknote wie auch die mögliche Einführung einer Obergrenze für Barzahlungen von 5.000 Euro viel Aufmerksamkeit. Beide Maßnahmen werden damit begründet, die Terrorismusfinanzierung und illegale Geschäfte erschweren zu wollen.

Offen scheint aber, inwieweit die angestrebten Ziele mit diesen Maßnahmen tatsächlich erreicht werden können.

Bargeld ist im Gegensatz zu einem Kontoguthaben Notenbankgeld. Es ermöglicht eine gute Ausgabenkontrolle, gewährleistet Anonymität bei der Durchführung von Transaktionen und ermöglicht den Bürgern, ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung auszuüben. Es kann zudem weitgehend ohne technische Infrastruktur zum Bezahlen verwendet werden und stellt dadurch die Funktionsfähigkeit des Zahlungsverkehrs auch in Krisensituationen sicher.

Bargeld weist also viele Vorteile auf, und wird von der Bevölkerung in Deutschland sehr geschätzt. Es wäre daher aus meiner Sicht fatal, wenn in der Öffentlichkeit der Eindruck entstünde, die Diskussion über die Abschaffung der 500-Euro-Banknote und über Obergrenzen für die Bargeldnutzung seien die ersten Schritte zu einer generellen Abschaffung des Bargelds. Wir alle wissen, Freiheit stirbt scheibchenweise. Die Bundesbank hat einen gesetzlichen Sorgeauftrag für den Zahlungsverkehr sowie die Zahlungssysteme und beobachtet im Rahmen dieser Verantwortung die um das Bargeld geführte Diskussion. Auch künftig sollen Verbraucher­innen und Verbraucher selbst entscheiden können, wie sie bezahlen möchten – bar oder unbar.

Eine andere Frage ist, ob Bargeld auch künftig das vorherrschende  Zahlungsmittel des täglichen Lebens sein wird? Werden wir künftig ein Geschäft per Handschlag nicht nur besiegeln, sondern auch noch bezahlen können? Oder werden wir den Vertrag gleich auf der Blockchain im Distributed Ledger speichern, der dann vollautomatisiert und selbstständig die notwendigen Zahlungen auslöst, sobald die digitalen Unterschriften per Austausch von kryptografischen Schlüsseln geleistet wurden?

Sie sehen hier die Ergebnisse einer repräsentativen Studie der Bundesbank zum Zahlungsverhalten in Deutschland.

Bargeld wird in Deutschland weiterhin sehr häufig genutzt. In anderen Ländern, beispielsweise in Schweden oder Großbritannien, wird deutlich weniger Bargeld als Zahlungsinstrument eingesetzt.

Auch in Deutschland zahlen die Verbraucher an der Ladenkasse immer häufiger bargeldlos bzw. mit einer Karte. In Deutschland ist dies überwiegend die girocard (frühere EC-Karte). Inzwischen sind immerhin 17 % aller Transaktionen Kartenzahlungen – im Jahr 2011 lag der Anteil noch bei 14 %. Eine Kartenzahlung an sich ist aber nicht wirklich innovativ. Kreditkarten gibt es in den USA seit den 1950er Jahren. In Deutschland kann man mit der girocard seit dem Jahr 1990 direkt an der Kasse bezahlen. Innovativer wäre es, kontaktlos mit der Karte zu bezahlen, indem Sie Ihre Karte lediglich an einem Zahlungsterminal vorbeiführten. Wie Sie sehen können, war der Anteil der kontaktlosen Transaktionen in Deutschland im Jahr 2014 noch verschwindend gering. Vermutlich hat sich das bis heute nur leicht geändert. Oder wie oft haben Sie bislang kontaktlos gezahlt?

Wie ist das Bezahlen mit dem Smartphone? Sie nutzen alle ein Smartphone und sicherlich haben viele von Ihnen eine Banking App, mit der Sie Ihren Kontostand abrufen und Überweisungen tätigen können. Aber wer von Ihnen hat schon einmal damit im Laden, im Parkhaus oder im Nahverkehr bezahlt? Vermutlich noch nicht allzu viele.

Lassen Sie uns einen Blick in die Welt des Onlinehandels werfen, denn dieser gewinnt stetig an Bedeutung und hat andere Anforderungen an das Bezahlen als ein klassisches Ladengeschäft. Was denken Sie, welche Zahlungsmethoden hier besonders gern genutzt werden?

Tatsächlich werden spezielle Internetbezahlverfahren wie PayPal immer beliebter. Gegenüber "klassischen" Zahlungsinstrumenten wie der Überweisung, Lastschrift oder Kartenzahlung wachsen sie stark. Innerhalb von drei Jahren hat sich die Anzahl derer, die Internetbezahlverfahren nutzen, nahezu verdoppelt.

Bis vor wenigen Jahren hat der Zahlungsverkehr in den Medien höchstens bei technischen Ausfällen für Schlagzeilen gesorgt. Mittlerweile ist der Zahlungsverkehr zu einem beliebten Thema geworden.

2 Entwicklungen im Zahlungsverkehr

Das elektronische Pendant zum einheitlichen Bargeld in der Eurozone wurde mit der Verwirklichung des SEPA-Raumes im Jahr 2014 geschaffen. Dank SEPA können Privatpersonen und Unternehmen Überweisungen und Lastschriften in Euro über 34 Ländergrenzen hinweg sicher, bequem, schnell und preiswert vornehmen. Für viele hat sich dies vor allem durch den Übergang auf die IBAN bemerkbar gemacht. Aber wer weiß, vielleicht werden wir als Verbraucher in Zukunft die IBAN nicht mehr benötigen, wenn wir Geld von A nach B senden wollen, sondern nutzen einfach das Smartphone oder die E-Mail-Adresse?

Schon heute gibt es Lösungen, die das Abtippen der IBAN automatisieren. So gibt es Programme, mit denen Sie Rechnungen und Überweisungsträger einfach abfotografieren können, um diese Daten automatisch in Ihre Onlinebanking-Anwendung zu übertragen. Es gibt Rechnungen, auf denen ein QR-Code aufgedruckt ist. In diesem zweidimensionalen, viereckigen Strichcode sind alle Angaben gespeichert, die für die Überweisung erforderlich sind.

Sie sehen, langsam bewegen wir uns in innovativere Gefilde. Welche Faktoren werden also den Zahlungsverkehr der Zukunft beeinflussen und welche Trends zeichnen sich ab?

Entscheidende Voraussetzung für den Wandel im Zahlungsverkehr sind die neuen technischen Möglichkeiten, die Einflüsse auf die Bedürfnisse der Verbraucher haben. Vier wesentliche Trends lassen sich erkennen:

Erstens: Ein Smartphone ersetzt Fotoapparat, Videokamera, MP3-Player, Uhr, Notizbuch, Kalender, Stadtplan und noch vieles mehr. In Kombination mit dem Internet ersetzt es das Büro und verwandelt das Auto zur mobilen Kommunikationszone. Wieso sollte es nicht auch das Portemonnaie ersetzen und dabei helfen, klassische unbare Zahlungen mit Karte, Überweisung oder Lastschrift nutzerfreundlicher zu machen?

Zweitens: Zahlungsdienste müssen nicht mehr zwingend von Banken angeboten werden. Mit den sogenannten FinTechs wird die Anbieterseite des Zahlungsmarktes vielseitiger und die Wettbewerbsintensität steigt.

Drittens: Alles wird schneller, auch der Zahlungsverkehr. Instant Payments lautet das neue Stichwort. Die Kontobelastung beim Zahler und die Gutschrift beim Empfänger soll am besten zeitgleich erfolgen.

Viertens: Distributed-Ledger-Technologie, oftmals auch Blockchain genannt, wird derzeit als "the next big thing" in der Finanzwirtschaft gehandelt. Es gibt fast niemanden in der Finanzbranche, der sich nicht mit den Möglichkeiten dieser Technologie auseinandersetzt. Die Technologie hat möglicherweise das Potenzial, die Grundlagen des Zahlungsverkehrs und anderer Geschäftsfelder komplett zu verändern. Auch die Bundesbank setzt sich mit der Technologie auseinander.

3 Neue Zahlungsmethoden

Eigentlich möchte niemand gerne bezahlen. Einkaufen gerne; aber die Freude auf das Bezahlen dürfte sich bei den meisten in Grenzen halten. Es bricht niemand in Jubelstürme aus, wenn das Bezahlen einfach, sicher und schnell vonstatten gegangen ist. Dies ist vielmehr eine Grundanforderung an das Bezahlen – und zudem kostenlos soll es sein. Genau diese Anforderungen stellen alle Teilnehmer unserer Studie an Bezahlmethoden, ganz gleich, ob passionierte Barzahler oder überzeugte Barzahlungsvermeider. Unsere Studie hat ergeben, dass jeder Dritte in Deutschland überzeugter Barzahler ist.

Doch damit nicht genug. Denn der Anspruch an die drei genannten Eigen­schaften wächst mit der Zeit.

Viele Geschäfte des Alltags lassen sich im Internet erledigen – laut einer Erhebung des HDE wuchs der Umsatz im E-Commerce in Deutschland seit 2005 jährlich um 12 % auf nunmehr fast 44 Mrd. Euro. Alle Angebote haben vor allem eines gemeinsam: Sie sind im Prinzip immer verfügbar: an 24 Stunden am Tag, an jedem Tag der Woche, das ganze Jahr hindurch. Und sie sind dank Smartphones und Tablets überall verfügbar: Denken Sie daran, wie leicht es ist, mit weit entfernten Freunden und Verwandten in Kontakt zu bleiben, wie schnell Sie über eine App oder im Internet eine Ware oder Dienstleistung bestellen können.

Beim Bezahlen im Onlinehandel ist die Sicherheit von besonderer Bedeutung. Denn der Warenaustausch und die Zahlung muss zwischen zwei sich gegenseitig nur virtuell Bekannten organisiert werden. Für diese neue Einkaufssituation im virtuellen Raum haben sich schon vor vielen Jahren spezialisierte Zahlungsdienste etabliert. Das ist so lange her, dass noch niemand an den Begriff FinTech dachte. In der Regel setzen diese Dienste auf die klassischen Instrumente Überweisung, Lastschrift oder Kartenzahlung auf, sorgen aber für eine reibungslose Integration in den Kauf­prozess und gewährleisten, dass der Zahlungsempfänger sich der Zahlung sicher sein kann, und die Ware umgehend versendet.

Genau diese Entwicklungen führen dazu, dass Verbraucher auch eine einfache und schnelle Bezahlung erwarten, ohne Abstriche bei der Sicherheit machen zu müssen. Die neuen Technologien setzen daher vor allem an der Schnittstelle zwischen Kunden und Händlern an. Dabei besteht grundsätzlich ein Henne-Ei-Problem, denn für die Zahler ist eine neue Zahlungsmethode erst interessant, wenn sie wissen, dass sie auch von den Zahlungsempfängern, insbesondere im Handel akzeptiert wird. Aus Sicht der Zahlungsempfänger ist es umgekehrt. Und an dieser Hürde sind schon viele Innovationen in der Vergangenheit gescheitert.

Im stationären Handel zeichnet sich bisher in Deutschland ein Trend zu Kontaktloszahlungen mit der Karte ab, die auf NFC-(Near Field Communication)Technologie aufsetzen. Zurzeit sind es vor allem Kontaktloskarten, wie sie von den großen internationalen Kartensystemen angeboten werden. Aber auch die girocard wird neuerdings schon mit NFC-Technologie ausgegeben. Dies könnte ein wichtiger Schritt sein, um das kontaktlose Bezahlen in Deutschland populärer zu machen. Denn fast jeder besitzt eine girocard. Auch die Händlerseite hat nachgerüstet. Immer mehr Einzelhändler können mittlerweile kontaktlose Zahlungen akzeptieren. Für den Terminal im Einzelhandel macht es übrigens keinen Unterschied, ob Sie die Plastikarte in der Hand halten, oder ob Ihre Zahlungskarte nur virtuell in einer soge­nannten Wallet im NFC-fähigen Smartphone liegt.

Könnte das Henne-Ei-Problem des Zahlungsverkehrs bei kontaktlosen Zahlungen bald der Vergangenheit angehören? Zumindest hinsichtlich der Ausstattung mit der notwendigen Technik sind wir auf einem guten Weg.

Dass Verbraucher dann auch verstärkt kontaktlos bezahlen, ist aber nicht gesagt. Sowohl die Kreditwirtschaft als auch der Einzelhandel benötigen entsprechende Terminals und müssen ihr Personal und ihre Kunden entsprechend schulen bzw. informieren. Dabei gilt es, den Verbrauchern die Angst vor dem kontaktlosen Bezahlen zu nehmen. Denn neben Einfachheit und Schnelligkeit muss das Bezahlen sicher sein. Dabei ist oftmals nicht die objektive Sicherheit eines Produkts oder eines Bezahlverfahrens entscheidend – die beim kontaktlosen Bezahlen sehr hoch ist –, sondern die subjektiv gefühlte Sicherheit.

Eine der jüngsten Entwicklungen für das Bezahlen im Internet ist paydirekt. Mit paydirekt reagiert die Deutsche Kreditwirtschaft auf die hohe Nachfrage nach speziellen Bezahllösungen für den Onlinehandel und versucht zusätzlichen Wettbewerbern zu begegnen. Die Erfolgsvoraussetzungen sind gut. Für die Kunden ist das Verfahren attraktiv, da es sicherer als andere sein soll. Paydirekt ist ein kreditwirtschaftliches Verfahren. Banken und Sparkassen unterliegen der Bankenaufsicht. Die Zahlung wird direkt vom eigenen Konto aus beglichen – ohne externe Zwischendienstleister. Für den Handel könnte paydirekt dann attraktiv sein, wenn die Konditionen günstiger sind als die der Konkurrenz.

Der dritte Entwicklungsbereich des Bezahlens spielt sich im persönlichen Umfeld ab, bei sogenannten P2P-Zahlungen, was für "Person-to-Person" steht. So könnte das Taschengeld in Sekundenschnelle von Smartphone zu Smartphone übertragen, Spenden mittels QR-Code angewiesen oder Rechnungen im Restaurant per App geteilt und beglichen werden.

Die Abgrenzung zwischen den drei genannten Anwendungsgebieten stationärer Handel, Onlinehandel und P2P-Zahlungen ist bei den wenigsten Angeboten jedoch trennscharf. Sie wissen sicher, dass verschiedene Dienste in unterschiedlichen Zahlungssituationen eingesetzt werden können – ob Person-to-Person, im Onlineshop oder per App an der Ladenkasse. Diese Multikanal-Nutzung ist wichtig und folgerichtig. Denn der Kunde möchte so einfach, sicher und schnell wie möglich überall zahlen können, bestenfalls mit einem einzigen Medium.

4 Neue Anbieter im Zahlungsverkehrsmarkt

Meine Damen und Herren, die vielen Beispiele für neue Zahlungsdienste zeigen noch etwas: Um Zahlungen zu initiieren, müssen Kunden nicht mehr zwingend direkt Kontakt zu einer Bank oder Sparkasse aufnehmen.

FinTechs haben in den vergangenen zwei Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Dies hat mehrere Gründe. Die Erfahrungen mit dem Smartphone als dem wichtigsten Informations- und Kommunikationsmedium werden als positiv empfunden. Dass mit einem Smartphone auch telefoniert oder ins Internet gegangen werden kann, wird fast zur Nebensache. Dienstleistungen sollen jederzeit und überall zugänglich sein. Bankgeschäfte sind davon nicht mehr ausgenommen. Die Angebote von FinTechs bedienen die sich ändernden Kundenbedürfnisse, auch wenn sich die Unternehmen bei der Bevölkerung noch eine Vertrauensbasis erarbeiten müssen.

Sie sehen hier, wie eine Zahlung mit den bekannten Zahlungsinstrumenten abläuft und wer daran beteiligt ist. Die Anbieter der zuvor beschriebenen neuen Zahlungsmöglichkeiten – eine Vielzahl großer Technologiefirmen und kleinerer Start-ups – stellen sich zwischen Zahler, Zahlungsempfänger und deren Finanzdienstleister bzw. Kreditinstitut. Die eigentliche Zahlung wird noch über das Konto oder eine Kreditkarte abgewickelt. Dieser Vorgang wird vom Kunden während des Zahlungsvorgangs nicht mehr wahrgenommen. Verbraucher nehmen verstärkt die FinTechs wie zum Beispiel ApplePay oder PayPal als Anbieter von Zahlungsdiensten wahr, nicht aber die Sparkasse oder die Bank, über die die Zahlung tatsächlich abgewickelt wird.

Insgesamt ergeben sich aus den hier aufgezeigten Entwicklungen zwei wesentliche Herausforderungen: Zum einen eine weitgehende Disintermediation: Die wichtige markenbildende Schnittstelle zum Kunden verändert sich. Gerade junge Leute suchen für Bankdienstleistungen nicht zwingend eine Filiale auf. Digitale Auftritte und nutzerfreundliche Angebote für die technikaffine, jüngere Generation werden daher immer wichtiger.

Zum anderen steigt mit der höheren Anzahl an Beteiligten auch die Komplexität in den Zahlungsverkehrsprozessen. Damit können größere Risiken für den Schutz der persönlichen Daten und der Sicherheit der Zahlungsinstrumente und -systeme verbunden sein – zumal wenn kein konsistenter regulatorischer Rahmen gewährleistet ist.

Kooperation dürfte ein möglicher Weg sein, um diesen beiden Heraus­forderungen zu begegnen und die Vorteile beider Welten und Kulturen zu kombinieren. FinTechs bringen dynamische Innovationsprozesse, Gespür für Kundenbedürfnisse und Flexibilität mit ein. Kreditinstitute haben eine breite Kundenbasis, weiterhin einen Vertrauensvorsprung gegenüber Technologieunternehmen – gerade was Datensicherheit und -schutz angeht –, langjährige Erfahrung mit dem Betrieb und Schutz von Zahlungsverkehrsinfrastruktur sowie die nötige regulatorische Expertise. Sofern Kooperationen sich für alle Beteiligten lohnen, werden sie aus meiner Sicht das sicherlich zukunftsträchtigste Modell sein.

Auch der Gesetzgeber hat die Weichen für mehr Kooperation und Wettbewerb bereits gestellt. Die neue Zahlungsdiensterichtlinie, die bis Januar 2018 umgesetzt sein soll, öffnet den Markt für FinTechs und reguliert auch bislang unregulierte Anbieter und Dienstleistungen. Hier geht es vor allem um die Neuregelung des Zugriffs auf Girokonten. Unter bestimmten Voraussetzungen und bei Zustimmung des Kunden muss das Kreditinstitut, bei dem das Konto geführt wird, einem dritten Zahlungsdienstleister die Information über eine ausreichende Kontodeckung liefern. Auf dieser Basis sollen bereits aktive und neue Anbieter in die Lage versetzt werden, innovative Zahlungslösungen anzubieten.

5 Echtzeitzahlungen als Grundlage neuer Zahlungsdienste

Die wachsende Bedeutung der Geschwindigkeit beim Bezahlen habe ich bereits erwähnt. Daher folgt in Europa jetzt auch der nächste Schritt: Es soll pan-europäische Massenzahlungen in Echtzeit geben.

In einigen europäischen Ländern sind bereits sogenannte Instant-Payment-Systeme im Einsatz, zum Beispiel in Großbritannien und Polen. Der große Vorteil: Innerhalb weniger Sekunden steht die gesendete Summe dem Empfänger zur Verfügung. Das ist das ganze Jahr über möglich, jeden Tag rund um die Uhr.

Doch sollte es nicht bei nationalen Lösungen bleiben. In Fortsetzung der SEPA-Harmonisierung soll ein pan-europäischer Markt für Echtzeitzahlungen entstehen. Die Kreditwirtschaft erarbeitet zurzeit ein Regelwerk für Instant Payments auf Basis der SEPA-Überweisung. Ab November 2017 sollen die ersten Banken im Euro-Raum Instant Payments anbieten können.

Eine Echtzeitzahlung bringt für Zahler und Zahlungsempfänger erst wirklich einen Nutzen, wenn sie diese jederzeit mit dem Smartphone erledigen können. Hier sollte dann die Angabe der Telefonnummer oder E-Mail-Adresse ausreichen, um den Empfänger zu adressieren. Denn in einer Datenbank wären die Konto- oder Kartennummer mit der Mobilfunknummer verknüpft. Dies würde sich besonders für die P2P-Zahlungen eignen. Aufbauend auf dem neuen Standard für Echtzeit­zahlungen könnten weitere Dienste entwickelt werden, die sich beispiels­weise auf die Schnittstelle zwischen Verbraucher und Unternehmen oder zwischen Unternehmen spezialisieren. Echtzeitzahllungen werden dann einen weiteren Beitrag zu Steigerung der Effizienz im Zahlungsverkehr leisten und einen Gewinn an Komfort für Verbraucher und Unternehmen bringen.

6 Distributed Ledger: Kurzer Hype oder ein neues Zeitalter?

Noch einen Schritt weiter als Echtzeitzahlungen gehen Anwendungen, die auf die sogenannte Distributed-Ledger-Technologie, oftmals auch Blockchain genannt, aufbauen.

Virtuelle Währungen wie Bitcoin basieren darauf. Doch es geht mir hier nicht um Bitcoin, sondern um die dahinter liegende Technologie. Für die Übertragung von Währungseinheiten kommt hier ein sogenanntes "ledger" zum Einsatz, ein Transaktionsregister. Dieses Transaktionsregister muss nicht zentral von einer einzigen Instanz verwaltet werden, sondern ist dezentral – distributed – bei den Nutzern abgelegt.

Viele Marktakteure erforschen gerade potenzielle Einsatzgebiete der Blockchain-Technologie. Dabei zeigen sich drei mögliche Vorteile:

(i)            Kostenersparnis durch gemeinschaftliche Datenhaltung

(ii)            Automatisierung von Prozessen durch Eliminierung von Schnittstellen

(iii)          Risikoabbau durch schnellere Verarbeitung von Prozessen.

Es gibt Pilotprojekte und laufende Anwendungen. Noch scheint es aber zu früh zu sein, um zu erkennen, inwieweit die Erwartungen erfüllt werden können. Zunächst sollte die konkrete Leistungsfähigkeit dieser Techniken gründlich analysiert werden. Also, wieviel kosten Transaktionen mit "distributed ledger" im Unterschied etwa zum correspondent banking oder zu Zahlungssystemen? Oder, wie lange dauert ihre Abwicklung? Und nicht zuletzt: Sind sie genauso sicher?

Auch die Bundesbank beschäftigt sich eingehend mit der Technologie und beobachtet die Marktentwicklungen. Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass Sie sich nicht darum sorgen müssen, in Kürze nur noch mit digitalen Euro zahlen zu können.