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Eröffnung des Bargeldsymposiums

Eröffnung des Bargeldsymposiums

10.10.2012 | Frankfurt am Main | Jens Weidmann

1 Einleitung

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, heute das erste Bargeldsymposium der Deutschen Bundesbank zu eröffnen und heiße Sie dazu herzlich willkommen.

Dieses Symposium soll fortan alle zwei Jahre stattfinden. Es ist damit das Gegenstück zum bereits etablierten Zahlungsverkehrssymposium der Bundesbank.

Mein Dank gilt allen voran den Organisatoren des Symposiums, die eine hochkarätig besetzte Veranstaltung mit einem interessanten Programm auf die Beine gestellt haben.

Das Symposium wird das Thema Bargeld aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Dabei sollen historische, kulturelle und wirtschaftliche Aspekte des Bargeldverkehrs heute im Mittelpunkt stehen, technische Fragen und Sicherheitsaspekte dagegen eher am Rande.

Lassen Sie mich daher zu Beginn dieses Symposiums einen etwas weiteren Bogen spannen.

2 Bargeld: Geld zum Anfassen

Bargeld ist die Form von Geld, mit der die meisten Menschen zuerst zu tun haben.

Dabei kann die Erscheinungsform von Bargeld ganz unterschiedlich sein. Unsere Vorstellung von Barem ist durch Banknoten und Münzen geprägt. Wenn man Bargeld aber allgemein als physische Manifestation von Geld betrachtet, kann alles Mögliche als Bargeld dienen. So waren nach dem Krieg Zigaretten eine gängige Währung. Und früher waren selbst lebende Tiere gebräuchliche, wenngleich extrem unpraktische Zahlungsmittel. Die Altsprachler wissen, dass das lateinische Wort für Geld pecunia von pecus – das Vieh – kommt.

Es gibt jedoch auch heute noch Bargeld, das gewissermaßen aus der Natur geschöpft wird. Auf der mikronesischen Inselgruppe Yap wird zum Beispiel ein Steingeld verwendet, und in Gegenden Papua-Neuguineas werden Muscheln als Währung verwendet – es gibt dort sogar eine Muschelbank, die das Muschelgeld in harte Landeswährung wechselt.

Gerade diese exotischen Beispiele machen deutlich, dass Geld letztlich eine gesellschaftliche Konvention darstellt. Den zivilisatorischen Fortschritt der Entdinglichung des Geldes konnte es schließlich nur geben, weil auch Papiergeld, Buchgeld und neuerdings elektronisches Geld als Zahlungsmittel akzeptiert werden.

Die Entwicklung und Verbreitung von unbaren Zahlungsmitteln hat die Bedeutung des Bargelds zwar zurückgedrängt. Nichtsdestotrotz ist und bleibt das Bargeld auch in Deutschland ein sehr beliebtes Zahlungsmittel – das zeigen nicht zuletzt die Studien des Zentralbereichs Bargeld zum Zahlungsverhalten der Deutschen.

„Nur Bares ist Wahres“ sagt der Volksmund und „Bargeld lacht“.

Bargeld ist Geld zum Anfassen. Das macht es in vielerlei Hinsicht attraktiv. Geldscheinbündel und Tresore voller Geld gehören heute noch zu den unmittelbarsten und eingängigsten Symbolen für Reichtum und Wohlstand.

Dabei beträgt der Anteil der Bargeldumlaufs an der gesamten Geldmenge M3 im Euro-Raum nicht einmal 9 %. Deutschland trägt dazu übrigens überproportional bei, nicht zuletzt weil die Deutschen so gerne bar zahlen.

Die Einführung des Euro rückte bei vielen Bürgern erst so richtig ins Bewusstsein, als sie das Euro-Bargeld in Händen hielten. Erinnern Sie sich noch an das beliebteste Weihnachtsgeschenk des Jahres 2001? Es war das Starter-Kit im Wert von 10,23 Euro respektive 20,- DM. 53 ½ Millionen Münztütchen wurden seinerzeit von der Bundesbank allein in Deutschland in den Verkehr gebracht.

Abgesehen von der Fassbarkeit von Banknoten und Münzen unterscheidet sich Bargeld von anderen Erscheinungsformen von Geld dadurch, dass es rechtlich gesehen eine Forderung gegen die Notenbank darstellt. Eine 100 Euro-Banknote ist also formal eine Forderung über 100 Euro gegen das Eurosystem. Hundert Euro auf dem Girokonto sind dagegen eine Forderung gegen die kontoführende Bank oder Sparkasse.

Wie Sie wissen, war der Banknotenumlauf früher durch Gold- und Silbervorräte  gedeckt. In Deutschland endete die Möglichkeit der Goldeinlösung von Banknoten im Jahre 1914.

Seit nun fast 100 Jahren sind Banknoten in Deutschland damit nichts anderes als bedrucktes Papier – eine Erkenntnis, die aus meinem Munde aber offenbar Nachrichtenwert hat. So schrieb die Bild-Zeitung vor einigen Wochen in einer kurzen Meldung: „Verwunderung über Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Bei einem Vortrag in Frankfurt/Main sagte er: ‚Heutiges Geld ist durch keinerlei Sachwerte mehr gedeckt. Banknoten sind bedrucktes Papier – die Kenner unter Ihnen wissen, dass es sich im Fall des Euro eigentlich um Baumwolle handelt‘.“

Wer daraus den Schluss zieht, dass unser Geld nichts wert sei, liegt natürlich falsch. Die spannende Frage ist jedoch, woher das Geld seinen Wert hat und wie er sich erhalten lässt. Anschaulich gesprochen: Warum verkauft uns der Bäcker Brot im Tausch gegen bedrucktes Papier?

Sicher: Bargeld ist gesetzliches Zahlungsmittel. Das alleine ist aber keine hinreichende Erklärung.

3 Vertrauen als Grundlage des Geldes

Wie gesagt, ist Geld eine gesellschaftliche Konvention und die Antwort auf die Frage lautet daher: Der Bäcker vertraut darauf, dass der Geldschein einen Wert hat und er ihn seinerseits gegen etwas anderes eintauschen kann, sei es sofort oder später. Die entscheidende Grundlage des Geldes ist mithin Vertrauen.

Wer Geld annimmt, muss zunächst einmal darauf vertrauen, dass es echt ist. Und er muss darauf vertrauen können, dass es seinen Wert hält und jederzeit als Zahlungsmittel einsetzbar ist.

Den Notenbanken kommt dabei die Schlüsselfunktion zu: Sie müssen Gewähr dafür tragen, dass das umlaufende Bargeld qualitativ hochwertig und sicher ist. Sie müssen einen zuverlässigen und reibungslosen unbaren Zahlungsverkehr organisieren. Und sie müssen die Geldwertstabilität sichern.

Die drei genannten Aufgaben stehen für drei der fünf Kerngeschäftsfelder der Bundesbank: Bargeld, unbarer Zahlungsverkehr und Geldpolitik.

Etwa ein Viertel unserer Beschäftigten ist dem Kerngeschäftsfeld Bargeld zuzuordnen. Ein Großteil davon ist in der Bargeldversorgung tätig. Sie sorgen unter anderem dafür, dass stets ausreichend Bargeld zur Verfügung steht, sind an der Entwicklung neuer Banknoten und Münzen beteiligt und sondern beschädigtes Geld aus. Somit tragen wir zur Sicherung einer hohen Umlaufqualität bei. Und damit erschwert die Bundesbank übrigens auch Fälschern das Handwerk. Unser Nationales Analysezentrum für Falschgeld und beschädigtes Bargeld hat durch die Berichterstattung in den Medien ja einige Bekanntheit erlangt. Filialen und Hauptverwaltungen haben allein im ersten Halbjahr 2012 über 1.500 Schulungsveranstaltungen zur Falschgeldprävention durchgeführt. Das Falschgeldaufkommen lag im ersten Halbjahr bei 19.000 falschen Banknoten und damit – im Vergleich zu Vorperioden – auf einem niedrigen Niveau.

Unter den Notenbankaufgaben hat die Sicherung der Geldwertstabilität allerdings eine besondere Bedeutung. Denn ohne das Vertrauen in die Stabilität der Währung nützen auch ein materialtechnisch hochwertiges Bargeld und ein reibungslos funktionierendes Zahlungsverkehrssystem nichts. Preisstabilität ist daher zu Recht vorrangiges Ziel der europäischen Geldpolitik.

Die Geschichte des Papiergeldes ist leider immer wieder auch eine Geschichte der Geldentwertung. Eine Notenbank, die nicht zur Einlösung von Banknoten gegen Edelmetall verpflichtet ist, kann Geld quasi aus dem Nichts schaffen. Diese Möglichkeit ist immer mit der Versuchung verbunden, Finanzierungsrestriktionen des Staates durch Drucken von Geld zu überwinden.

Papiergeldwährungen müssen aber nicht zwangsläufig in der Inflation enden. Um jedoch zu verhindern, dass die Notenbanken für die Finanzierung von Staatsausgaben eingespannt werden, müssen sie unabhängig sein und ein Mandat haben, das der Sicherung der Geldwertstabilität Vorrang vor anderen Zielen gibt.

Einer Notenbank, die de jure oder de facto abhängig ist, fehlt es dagegen an Glaubwürdigkeit, dass sie der Sicherung der Preisstabilität zu jeder Zeit den Vorrang gibt.

Um den Euro zu einer stabilen Währung zu machen, haben die Gründungsväter der Währungsunion daher klare Regeln formuliert. So wurde im Maastricht-Vertrag festgelegt, dass das Eurosystem unabhängig von Weisungen der Regierungen sein soll, dass Preisstabilität sein vorrangiges Ziel sein soll und dass Staatsfinanzierung durch die Notenbanken verboten ist.

Und tatsächlich ist der Euro eine stabile Währung, nach innen wie nach außen. Die durchschnittliche Inflationsrate innerhalb der ersten fast 14 Jahre liegt nur knapp oberhalb der Stabilitätsmarke des EZB-Rats von „knapp unter 2 %“. Auch wenn das Rahmenwerk der EWU im Rückblick manche Schwächen offenbart hat, die Stabilitätsorientierung der Geldpolitik, ihre Unabhängigkeit und ihre Verpflichtung auf das Hauptziel Preisstabilität gehören sicher nicht dazu. Im Gegenteil: Die Krise erfordert ebenso Mut zu Veränderungen wie den Mut, Bewährtes zu erhalten und vor Vereinnahmung oder Aufweichung zu schützen.

4 Schlussbemerkungen

Eine Währung kann nur dann stabil sein, wenn die Bürger Vertrauen in die Fähigkeit der Notenbank haben und ihren Willen erkennen, die Preise stabil zu halten. Dieses Vertrauen haben die Notenbanken sich in den vergangenen Jahrzehnten hart erarbeitet, es ist ihr wertvollstes Kapital.

Gerade in turbulenten Zeiten steigen die Erwartungen an Notenbanken – und damit die Gefahren einer Überforderung. Hier kann es helfen, sich auf die eigenen Kernaufgaben zu besinnen. Neben der stabilitätsorientierten Geldpolitik zählt dazu auch die sichere Versorgung mit qualitativ hochwertigem Bargeld. Bargeld ist Geld zum Anfassen. Die Notenbanken des Eurosystems haben die Verantwortung dafür, dass die Menschen weiterhin gutes und wertstabiles Geld in den Händen halten.

Gerade deshalb freue ich mich sehr, dass mit dem Bargeldsymposium ein neues Forum geschaffen wurde, auf dem Bargeldfragen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden.

Ich wünsche Ihnen anregende Diskussionen im Verlaufe des heutigen Tages und übergebe das Wort nun an Herrn Thiele.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. 

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