Dr. Joachim Nagel

Staatsschuldenkrise in Europa: Wo stehen wir? Welche Implikationen ergeben sich für die private Vermögensbildung? Rede im Rahmen der Veranstaltungsreihe Forum Bundesbank der Hauptverwaltung in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein

1 Einleitung

Sehr geehrte Frau Sailer-Schuster,
sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst möchte ich mich für die Einladung herzlich bedanken. Ich freue mich, im Rahmen des Forums Bundesbank über die Auswirkungen der europäischen Staatsschuldenkrise auf die private Vermögensbildung zu Ihnen sprechen zu können. Es war schon immer mein Anliegen und auch das der Deutschen Bundesbank, dass Bürgerinnen und Bürger ein möglichst tiefes Finanzmarktwissen besitzen. Dies ist in der aktuellen Zeit besonders wichtg, weil in fast regelmäßigen Abständen sogenannte „alternativlose“ riesige Rettungspakete geschnürt werden. Doch seit dem Jahr 2008 sind die Entwicklungen an den Finanzmärkten nicht nur geprägt von umfangreichen Hilfszusagen, sondern mittlerweile auch von einem außergewöhnlich niedrigen Zinsumfeld. So stellt sich praktisch für jedermann die Frage, wie er oder sie in diesen Zeiten sein Geld anlegen sollte. Ich muss Sie an dieser Stelle jedoch gleich enttäuschen: Konkrete Anlageempfehlungen kann, darf und werde ich nicht geben. Ich möchte hier vielmehr die Gelegenheit nutzen, Ihnen gewisse Muster der Verhaltensökonomie zu präsentieren und einige grundsätzliche Fragen zu stellen, die sich Anleger aus meiner Sicht bei der Entscheidung für eine Geldanlage stets stellen sollten.

Nun aber zunächst die Bestandsaufnahme zur Staatsschuldenkrise. Wo stehen wir? Seit der Londoner Rede von EZB-Präsident Mario Draghi im Juli vergangenen Jahres und der darauffolgenden Ankündigung des OMT-Programms, also der Möglichkeit des unbegrenzten Ankaufs von Staatsanleihen durch das Eurosystem, hat sich die Situation an den europäischen Finanzmärkten deutlich entspannt. Auch der erfolgreiche Schuldenrückkauf Griechenlands im Dezember sowie die vorläufige Einigung im US-Haushaltsstreit zu Beginn dieses Jahres haben die Stimmung an den Finanzmärkten merklich verbessert. So sanken beispielsweise die Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen wieder auf ein Niveau, das sie zuletzt Ende 2010 erreicht hatten. Auch andere Indikatoren wie etwa die Aktienkurse signalisieren derzeit eine deutliche Entspannung.

Es darf dabei jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass die Maßnahmen des Eurosystems den europäischen Staaten bei der Bewältigung der Krise nur Zeit verschaffen können. Um die Situation nachhaltig zu verbessern, gibt es weiterhin einen großen Reform- und Sparbedarf, hier sind jedoch die nationalen Regierungen gefordert.

Die weltweit sehr expansive Geldpolitik der großen Zentralbanken zeigt außerdem schon jetzt Nebenwirkungen in Form eines sehr niedrigen Zinsumfelds, das direkte Auswirkungen auf die private Vermögensbildung hat.

2 „Searching for yield“ versus „Safe-Haven“

Die privaten Haushalte stehen beim gegenwärtig niedrigen Zinsniveau vor der Herausforderung, den Realwert ihres Vermögens zu erhalten. Fakt ist zwar, dass die Finanzvermögen trotz Finanzkrise weiter steigen. Der Anstieg bewegt sich aber auf einem niedrigen Niveau; im 3. Quartal 2012 beispielweise betrug er +1,3 % und konzentrierte sich zu einem großen Teil auf Mittelzuflüsse in kurzfristig verfügbare Einlagen.

Verantwortlich für die derzeit hohe Liquiditätspräferenz dürfte zum einen das historisch niedrige Zinsumfeld sein, das die längerfristige zinsgebundene Anlage von Erspartem unattraktiv erscheinen lässt. Zum anderen dürfte dies auch mit der allgemeinen Unsicherheit aufgrund der Schuldenkrise in Europa zusammenhängen, die die Nachfrage nach „sicheren“ Anlagen verstärkt. Hier zeigt sich die Herausforderung der aktuellen Situation. In realer Betrachtung, also unter Berücksichtigung der Inflationsrate, führt das niedrige Zinsniveau dazu, dass die Rendite einzelner „sicherer“ Anlagen negativ ist. Zum tatsächlichen Werterhalt des Vermögens müssten daher höher verzinste Anlagen gesucht werden. Diese tragen jedoch stets ein entsprechend höheres Risiko.

3 Finanzkrise und der reale Sparertrag

In der Vergangenheit waren negative Realzinsen meist Folge einer hohen Inflationsrate. In der aktuellen Situation befindet sich die Inflation jedoch auf einem moderaten Niveau. In Deutschland lag sie im Januar 2013 auf Jahressicht bei 1,9 % und auch für den gesamten Euro-Raum bewegte sie sich mit 2,2 % nur leicht über der Zielrate des Eurosystems von unter, aber nahe 2%. Diese Zielrate wird mit Geldwertstabilität verbunden.

Grund für den teilweise negativen realen Zinsertrag sind rekordniedrige nominale Renditen zum Beispiel für deutsche Staatsanleihen. Seit August 2011 liegt die reale Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, also die nominale Rendite abzüglich der jeweiligen Inflationsrate, im negativen Bereich. Neben den niedrigen Leitzinsen ist auch die starke Verunsicherung unter den Anlegern, die seit Ausbruch der Finanzkrise zu einer starken Nachfrage nach „sicheren“ Anlagen geführt hat („Safe-Haven“-Nachfrage), für diese niedrige nominale Rendite verantwortlich.

Die für den deutschen Staat zwar sehr vorteilhaften Refinanzierungsbedingungen führen bei den Anlegern jedoch zu einem realen „Sparverlust“. Dies wird in den kürzeren Laufzeiten, die für das Sparverhalten vieler Anleger realistisch sein dürften, besonders deutlich. Hier sind sogar die nominalen Renditen teilweise negativ, wenngleich auch nur minimal. Dies bedeutet konkret, dass der deutsche Staat 2012 etwa mit der Emission von Staatsanleihen mit zweijähriger Laufzeit zum Teil Geld verdient hat. So emittierte die Finanzagentur des Bundes beispielsweise am 5. Dezember 3,3 Milliarden Euro einer zweijährigen Bundesschatzanweisung zu einer durchschnittlichen Rendite von -0,01 %. Bei der Fälligkeit 2014 zahlt der Bund nicht nur keine Zinsen, sondern auch einen geringeren Nominalbetrag zurück.

4 Anlegerverhalten in der Praxis

Neben der gestiegenen Unsicherheit privater Anleger in Folge der Finanzmarktkrise und angesichts der beschriebenen Probleme, die sich aus dem „Niedrigzinsumfeld“ ergeben, verunsichern aber auch Entwicklungen, die schon vor der Finanzkrise eingesetzt haben.

Die private Vermögensbildung wurde in den vergangenen Jahren immer komplexer. Anleger stehen bei ihrer Vermögensanlage steigenden Herausforderungen durch eine kaum überschaubare Zahl innovativer und oftmals sehr komplexer Finanzprodukte gegenüber. Die Vielzahl der angebotenen Produkte kann theoretisch die Risikostreuung des eigenen Portfolios verbessern, da sie das Anlagespektrum erweitert. Oft sind aber die mit den Produkten verbundenen Risiken schwer zu erkennen und quantifizieren. Darüber hinaus fallen beim Kauf von Finanzprodukten stets ausgewiesene oder implizite Kosten an, die nicht immer durch den vermeintlich höheren Nutzen ausgeglichen werden können – ein Punkt, den ich später noch einmal aufgreifen möchte.

Das nur sehr schwer zu überschauende Universum verschiedenster Anlagemöglichkeiten erschwert nicht nur die individuelle Investitionsentscheidung, sondern auch für Bankmitarbeiter die Beratung. So findet in Deutschland seit einiger Zeit eine recht aktive Diskussion zum Spannungsfeld zwischen Beratung und Verkauf von Finanzprodukten statt. Dabei gehen die Vorschläge von einer unabhängigen Beratung gegen Honorar bis zur zunächst entgeltfreien Beratung mit Provisionszahlung bei Vertragsabschluss. Ich möchte an dieser Stelle nicht für oder gegen das eine oder das andere Modell plädieren. Dies hängt wesentlich von den eigenen Präferenzen ab. Mir ist nur wichtig, dass sich jeder Anleger des Spannungsfeldes zwischen Beratung und Verkauf bewusst ist und dies vor Abschluss eines Vertrages berücksichtigt.

Bei Betrachtung von Mikrodaten der Portfoliostruktur privater Haushalte sehen wir, dass trotz der vielfältigen Anlagemöglichkeiten Portfolios häufig nur aus wenigen Vermögensklassen bestehen. So besaßen im Jahr 2006 rund 46 % der deutschen Haushalte lediglich zwei bis drei verschiedene Anlageprodukte, 20 % sogar lediglich ein Anlageprodukt.[1] Beliebteste Anlagen sind dabei nach wie vor Sparbücher, Lebensversicherungen und Bausparverträge. Viele Anleger könnten durch eine breitere Streuung ihres Vermögens das Anlagerisiko verringern, ohne dafür im Zeitablauf geringere durchschnittliche Renditen in Kauf nehmen zu müssen oder alternativ bei gleichem Risiko eine höhere Rendite erlangen.

Neben der geringen Zahl von Anlageklassen, wird zwischen diesen meist auch „naiv“ diversifiziert, das heißt die Zusammensetzung des Anlageportfolios ist meist mehr oder weniger willkürlich. Oft wird das finanzielle Vermögen gleichmäßig auf alle Anlageklassen oder Wertpapiere verteilt, die den Anlegern geläufig oder zum Zeitpunkt der Anlageentscheidung im Bewusstsein sind.

Ein Beispiel dazu aus den USA: Dort sind Fondssparpläne weit verbreitet, die Unternehmen ihren Arbeitnehmern zur Altersvorsorge anbieten. Bei diesen Plänen trifft das Unternehmen eine Vorauswahl über die verschiedenen Investmentfonds, aus denen der Arbeitnehmer auswählen kann. Es zeigt sich, dass diese Vorauswahl einen deutlichen Einfluss auf die tatsächliche Fondsauswahl der Anleger hat. Während beispielsweise Arbeitnehmer, denen vier Aktienfonds und lediglich ein Rentenfonds angeboten wurden, im Schnitt 75 % ihrer Mittel in Aktien investierten, legten jene, denen ein Aktienfonds und vier Rentenfonds angeboten wurde – also das umgekehrte Verhältnis – nur durchschnittlich 34 % der Mittel in Aktienfonds an.[2]

Viele Vermögen sind auch deswegen nur gering diversifiziert, weil sie zu sehr auf den Heimatmarkt fokussiert sind. Dieser so genannte „Home Bias“ beschreibt, dass in den meisten Portfolios überproportional viele Titel aus dem heimischen Markt stammen. So hielten laut Cognitrend deutsche Anleger 2010 in ihren Depots knapp 50 % heimische Aktien. Dabei machen deutsche Aktien gerade einmal 2,55 % der weltweiten Aktienkapitalisierung aus. Als Gründe werden zumeist höhere Transaktions- und Informationskosten für ausländische Anlagen genannt. Aber oft trifft die Annahme, die heimische Wirtschaftsentwicklung kompetenter beurteilen zu können, nicht unbedingt zu. Zwar kennt ein Anleger seinen heimischen Markt meist besser als fremde Märkte, doch ist der relevante Maßstab in dieser Hinsicht, ob man den Markt besser kennt als die anderen aktiven Marktteilnehmer.

Ein weiteres beobachtetes Phänomen bei der Finanzanlage vieler Menschen ist zu häufiges Handeln. Bei jedem Handelsvorgang ist zu beachten, dass ein Anpassen des Portfolios stets Transaktionskosten verursacht. Die anfallenden Transaktionskosten können zumindest durchschnittlich nicht durch entsprechende Mehrerträge kompensiert werden. Dieses Verhalten lässt sich mit der Neigung der Anleger in Verbindung bringen, eigene Möglichkeiten und Fähigkeiten – inklusive der Prognosefähigkeiten – zu überschätzen. Viele Handelsaktivitäten scheinen aufgrund unterschiedlicher Interpretationen von mitunter ein und derselben Information motiviert zu sein.

Zudem tendieren Anleger dazu, Wertpapiere, deren Preis sich über den Einstandspreis entwickelt, schneller zu verkaufen als solche, deren Preis sich unter dem Einstandspreis bewegt. In der Wissenschaft wird dies als Dispositionseffekt beschrieben. Dieses Verhalten ist bemerkenswert, da der Einstandspreis – von steuerlichen Überlegungen abgesehen – eigentlich keine Rolle für die Verkaufsentscheidung spielen sollte, sondern lediglich die Einschätzung über die zukünftige Entwicklung des Wertpapiers. Erwartet der Anleger also auch in Zukunft weiter steigende Preise, sollte er das Wertpapier behalten und nicht aufgrund bereits möglicher Gewinne zu früh veräußern.

Ein weiteres bekanntes und gerade in der Finanzkrise oft genanntes Verhaltensmuster an Finanzmärkten ist das Herdenverhalten: ein gleichgerichtetes Verhalten der Investoren. Eine mögliche Erklärung von Herdenverhalten sind Informationskaskaden. Dabei stützen sich Anleger auf vorherige Entscheidungen anderer Marktteilnehmer und kopieren diese. Dabei folgen Anleger den Kauf- oder Verkaufsentscheidungen anderer Anleger unreflektiert, das heißt, ohne zu berücksichtigen, ob die Preise fundamental gerechtfertigt erscheinen.

Meist spielt die Direktanlage in Aktien oder Anleihen bei privaten Haushalten aber nur eine untergeordnete Rolle. Ein Großteil des privaten Vermögens wird in aktiv oder passiv verwaltete Fonds investiert.

Ziel des so genannten passiven Managements von Fonds ist es, mit dem Portfolio einen Index möglichst genau abzubilden. Aktive Strategien versuchen hingegen durch geschickte Auswahl von Wertpapieren einen höheren Ertrag als ein bestimmter Vergleichsmaßstab zu erzielen. Dabei sind diese Ansätze in der Regel ressourcenintensiver als passive Mandate. So müssen etwa Ressourcen für Marktanalysen und damit verbundene Infrastruktur aufgebracht werden. Die Verwaltungskosten aktiver Mandate sind daher üblicherweise höher. Die große Herausforderung der aktiv verwalteten Fonds ist, eine langfristig bessere Performance als die des Gesamtmarkts zu erzielen.

Für die Altersvorsorge, die grundsätzlich durch eine lange und regelmäßige Ansparzeit gekennzeichnet ist, sollte sich also jeder Anleger die Frage stellen, ob das ausgewählte Fondsmanagement, beispielsweise über 30 bis 40 Jahre, ein besseres Ergebnis als der Gesamtmarkt erzielen kann. Die Wissenschaft schätzt diese Fähigkeit eher pessimistisch ein. Nicht zuletzt aus diesem Grund verzeichneten die verwalteten Fonds in den vergangenen Jahren deutliche Mittelzuflüsse. Durch solche Fonds wurde es auch einfacher, in exotischere Märkte zu investieren und damit den Home Bias abzumildern.

Nach Darstellung einiger Herausforderungen, die bei Investitionsentscheidungen entstehen, möchte ich als Zwischenfazit drei grundsätzliche Fragen formulieren. Diese sollten sich Anleger vor einer Investition stets stellen.

Wie möchte ich mein Vermögen aufteilen? Entscheidend bei der Beantwortung dieser Frage ist zunächst der Zeithorizont meiner Anlage. Zweitens, das Risiko, das ich eingehen möchte und drittens die Frage, wie oft ich mich persönlich um mein Portfolio kümmern möchte.

Vor einer Transaktion sollte ich mich grundsätzlich fragen, warum möchte ich jetzt kaufen oder verkaufen? Was sind meine Erwartungen zum künftigen Kursverlauf? Dabei ist auch das Eingeständnis wichtig, wahrscheinlich niemals den optimalen Kauf- oder Verkaufspreis zu erzielen.

Welche Kosten entstehen bei meiner Transaktion? Wie setzten sich die Kosten zusammen (Gebühren, Verwaltungskosten etc.) und wie hoch sind die Gesamtkosten?

5 Finanzprodukte verstehen?!

Die schon erwähnte Problematik der immer komplexeren Anlageprodukte möchte ich nun am Beispiel von Zertifikaten darstellen. Zertifikate sind eine besondere Form der Inhaberschuldverschreibung, deren Markt in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. So gibt es z.B. von „Knock-Out Zertifikaten“ über „Discount Zertifikaten“ bis hin zu „Bonus Zertifikaten“ ein fast unendliches Universum. Die Gesamtzahl der verschiedenen in Deutschland angebotenen Zertifikate beträgt aktuell etwa eine Million. Der übliche Emissionsprospekt eines Zertifikates beschreibt dieses erschöpfend und umfasst zwischen 20 und 110 Seiten. Will der normale Anleger in diese Anlageklasse investieren, steht er vor der Herausforderung, aus der Fülle komplexer Produkte und Informationen das seinem Risikoprofil entsprechende Produkt zu finden.

Nun stellt sich die Frage, welche alternativen Anlageklassen es in der aktuellen Situation auf der Suche nach Werterhalt oder Wertsteigerung des Vermögens gibt? Laut einer repräsentativen Umfrage der GfK im Auftrag des Bankenverbands würden die Deutschen 2013 neben Fest- und Tagesgeld vermehrt in Gold und Immobilien investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag zur Verfügung hätten. Auf beides möchte ich nur kurz eingehen.

6 Gold: Krisenindikator oder neue Anlageklasse?

Seit der Jahrtausendwende ist der Goldpreis stetig gestiegen. Lag er zu Beginn noch unter 400 US-Dollar pro Feinunze, wurde im August 2011 erstmals die Marke von 1.900 US-Dollar erreicht. Der Preisanstieg wurde unterstützt von der Entwicklung börsengehandelter Goldprodukte wie ETFs (Exchange Traded Funds) bzw. ETCs (Exchange Traded Commodities), die die Anlage in Gold auch für Privatanleger wesentlich vereinfacht haben. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die zunehmende Goldnachfrage von Zentralbanken aus Schwellenländern zum Zweck der Diversifikation ihrer Währungsreserven.

Seit Beginn der Finanzmarktkrise im Jahr 2008 hat sich der Preisanstieg deutlich beschleunigt. Neben den schon erwähnten Gründen spielten hier die klassischen Begründungen für eine Investition in Gold die entscheidende Rolle. Zum einen ist Gold in Zeiten extrem expansiver Geldpolitik der bedeutenden Zentralbanken als Inflationsschutz gefragt. Zum anderen treibt die Verunsicherung der Investoren über den weiteren Fortgang der Krise verbunden mit Risiken für Währungen, Länder und Banken die Goldnachfrage. Dies zeigt sich auch darin, dass zurzeit börsengehandelte Produkte besonders beliebt sind, die mit physischem Gold hinterlegt sind, das auf Wunsch ausgezahlt werden kann. Die Goldpreisentwicklung ist daher sowohl den verbesserten Anlagemöglichkeiten und Diversifikationsüberlegungen als auch der Krise und ihren Auswirkungen geschuldet.

Da die Rendite einer Goldinvestition, wenn man von Wechselkursrisiken abstrahiert, aus der Goldpreissteigerung entsteht, kommt dem Einstiegspreis und den Erwartungen an die weitere Preisentwicklung eine immense Bedeutung zu. Denn Dividendenzahlungen fallen bei Gold nicht an. Zudem sollten Lager- und Verwaltungskosten beachtet werden.

7 „Betongold“ – Immobilienpreisentwicklung in Deutschland

Neben Gold gelten auch Immobilien als inflationssichere Anlage. Nach einer Stagnation der Immobilienpreise zwischen 1999 und 2008 sind in Deutschland Preise für Wohnimmobilien seit 2009 vor dem Hintergrund niedriger nominaler Zinsen, günstiger Einkommensaussichten, eines soliden Arbeitsmarktes und einer steigenden Nachfrage nach sicheren Anlagen bei Investoren konstant gestiegen. Auch Inflationssorgen können in der Krise zu einem weiteren Nachfrageanstieg geführt haben. Erstmals seit der Wiedervereinigung ist damit ein konjunktureller Aufschwung wieder mit einem deutlichen Anstieg der Immobilienpreise verbunden.

Externe binnenwirtschaftliche Faktoren, die den Immobilienmarkt beeinflussen, haben sich in Deutschland seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers verstärkt erholt. So zog das Wirtschaftswachstum erfreulicherweise wieder deutlich an, die Einkommen stiegen und das Leben in der Stadt wurde für viele Haushalte, wie etwa einer steigenden Zahl von Ein-Personen-Haushalten oder auch für Familien, wieder attraktiver. In der Folge ist nun ein teils deutlicher Preisanstieg in den Ballungsgebieten zu beobachten.

Mit Blick auf die Gesamtentwicklung in Deutschland ist der Preisanstieg bislang, gerade im Vergleich zu den zurückliegenden Phasen steigender Häuserpreise in anderen Ländern, als moderat einzustufen. Die regionale Heterogenität ist jedoch sehr groß. Die verstärkten Anstiege in 125 beobachteten Städten resultieren aus einem begrenzten Wohnraumangebot in den Ballungszentren bei gleichzeitig überdurchschnittlich gestiegener Nachfrage nach Immobilien in diesen Gebieten.

Unter den gegebenen Faktoren, insbesondere den niedrigen Kreditzinsen und der geringen Arbeitslosigkeit im Zusammenhang mit robustem Lohnwachstum, ist die weitere Entwicklung zu beobachten.

Aktuell sind die typischen Merkmale einer Immobilienblase, ein starker Anstieg der Kreditaufnahme, ein auf breiter Basis und undifferenziert steigender Preispfad verbunden mit einer hohen Anzahl von Kaufabschlüssen, noch nicht beobachtbar. Im Gegenteil: Besonders Bankkredite für Hauskäufe sind gemessen an der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in den vergangenen Jahren sogar weiter rückläufig. Eine Entwicklung wie in anderen Ländern, die unter dem Platzen einer Immobilienblase mit deutlichen Preiskorrekturen leiden, ist in Deutschland nicht in Sicht.

8 Abschließende Bemerkungen

Lassen Sie mich zum Abschluss einige aus meiner Sicht grundsätzliche Punkte hervorheben, die sich im Zusammenhang mit dem aktuellen Niedrigzinsniveau und den daraus resultierenden Implikationen für die private Vermögensbildung ergeben.

Es zeigt sich, dass die gegenwärtige expansive Geldpolitik zwar bislang die Preisstabilität nicht beeinträchtigt hat, aber schon jetzt negative Nebeneffekte für die privaten Sparer hat.

Im bestehenden Niedrigzinsumfeld ist es schwierig, Renditen mit sicheren Anleihen zu erzielen. Auch ohne besonders hohe Inflationsraten fällt es dem privaten Sparer schwer, den Realwert seines Vermögens zu erhalten, geschweige denn zu steigern. Aber auch institutionelle Sparer wie z.B. Versicherungen, die wiederum eine Hauptrolle in der privaten Altersvorsorge in Deutschland spielen, haben mit diesem Problem zu kämpfen.

Trotzdem ist es ratsam, bei der persönlichen Altersvorsorge nicht ausschließlich auf die gesetzliche Rente zu vertrauen, da diese immer mehr mit dem demographischen Wandel hierzulande zu kämpfen haben wird. Auf eine angemessene, eigene private Vorsorge sollte daher nicht verzichtet werden. Eine ausreichende Diversifizierung des eigenen Portfolios kann dazu beitragen auch weiterhin eine positive Rendite bei überschaubaren Risiken zu generieren. Die Anlageentscheidungen sollten jedoch wohl überlegt sein und der Anleger sollte sowohl die Anlageprodukte verstanden haben als auch sich der persönlichen Anforderungen an die Investition bewusst sein.

Die Politik kann ihren Beitrag zu einer sicheren und rentablen Altersvorsorge leisten, in dem sie die Ursachen der europäischen Staatsschuldenkrise zügig und nachhaltig behebt und die Zentralbanken sich damit möglichst bald wieder allein auf ihre primäre Aufgabe, die Gewährleistung von Preisstabilität im Euro-Währungsraum, konzentrieren können.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Fußnoten:

  1. Vgl.: N. Barasinska, D. Schäfer und A. Stephan (2008),
    Financial Risk Aversion and Household Asset Diversification bzw. SOEP Panel-Befragung (2006)
  2. Vgl. S. Benartzi und R. H. Thaler (2001), Naive diversification strategies in defined contribution saving plans.