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Ohne Bargeld geht es nicht

Ohne Bargeld geht es nicht

Bleibt das Bargeld in seiner jetzigen Form bestehen? Wie passt ein stetig zunehmender Bargeldumlauf zu einem rückläufigen Umsatz an der Ladentheke? Auf der vierten internationalen Bargeldkonferenz der Bundesbank diskutierten rund 100 Wissenschaftler und Notenbanker über die Zukunft des Bargelds.

Deutschland gilt als Land der Barzahler. Schließlich werden an der Kasse hierzulande drei Viertel aller Transaktionen mit Banknoten und Münzen getätigt. Doch der Barzahlungsanteil ist vielerorts rückläufig. Auch in Deutschland, obgleich graduell und ausgehend von einem hohen Niveau im internationalen Vergleich. Johannes Beermann, im Vorstand der Bundesbank zuständig für den Bereich Bargeld, wies in seiner Eröffnungsrede bei der vierten International Cash Conference der Bundesbank in München darauf hin, dass Vielfalt nicht unbedingt Verdrängung bedeutet. Digitale und physische Bezahlformen bilden vielmehr „zwei Seiten einer Medaille“, wie Beermann in der Dinner Speech am ersten Abend der Konferenz bekräftigte. Wichtig sei, dass Notenbanken eine ausreichende Versorgung an Bargeld im Blick behalten. „Neutralität im Hinblick auf Bezahlvorlieben der Haushalte bedeutet nicht Passivität beim Aufrechterhalten der Bargeldinfrastruktur“. Beermann verwies auch auf die besondere Bedeutung von Bargeld zur Wertaufbewahrung. „Unsere Berechnungen legen nahe, dass in Deutschland drei Viertel des inländischen Bargeldumlaufs unter dem sprichwörtlichen Kopfkissen landet.“ Bei der in den vergangenen Jahren gestiegenen Hortung könnten auch niedrige Zinsen eine Rolle spielen.

Die Bundesbank hat die Motive privater Haushalte für die starke Nutzung von Bargeld als Wertaufbewahrungsmittel näher unter die Lupe genommen. Susann Sieber vom Zentralbereich Bargeld stellte die Ergebnisse der Studie auf der Konferenz vor: Demnach legen die Befragten Bargeld vor allem zur Seite, um für unvorhergesehene Situationen und Notfälle gewappnet zu sein. Die befragten Personen würden es sogar für sinnvoll halten, noch mehr Bargeld als Reserve zu halten, können sich dies aber aufgrund ihrer eigenen finanziellen Situation nicht leisten.

Bargeld und digitale Zahlverfahren bestehen nebeneinander

Können digitale Zahlverfahren Bargeld ersetzen? Bill Maurer, Professor an der University of California, hob in seiner Keynote hervor, dass diese neuen Methoden Bargeld nicht abschaffen, aber ergänzen würden. Er verglich die gegenwärtige Innovationswelle im Zahlungsverkehr mit der sogenannten kambrischen Explosion, kam jedoch zu dem Schluss, dass es auf lange Sicht mit Bargeld „zurück in die Zukunft“ gehen dürfte. Aloys Prinz, Professor an der Universität in Münster, thematisierte den Einfluss zweier Effekte auf die Bargeldnutzung. Demnach stünden möglichen Effizienzvorteilen, die bestimmte Bezahlverfahren mit sich bringen könnten, persönliche Präferenzen und Erfahrungen gegenüber. Eingeschliffene Verhaltensmuster beim Bezahlen dürften sich laut Prinz nur langsam anpassen. In seiner Abschlussrede stellte Stefan Hardt, Leiter des Zentralbereichs Bargeld der Bundesbank, fest, dass auch wenn die Frage der Kosten der Bargeldinfrastruktur an Bedeutung gewinnen dürfte, Bargeld weiterhin neben den digitalen Bezahlverfahren bestehen werde. Schließlich sei Bargeld besonders krisen- und ausfallsicher.

Kein Treiber der Kriminalität

Bargeld gilt gemeinhin als weit verbreitet in der Schattenwirtschaft. Auch dies war immer wieder Thema der Konferenz. Lars Feld, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung, hob in seiner Keynote jedoch hervor, dass Bargeld nicht der entscheidende Treiber für kriminelle Handlungen sei. Eine Abschaffung von Bargeld aus diesem Grunde sei nicht zielführend. Entscheidend seien vielmehr effektive Regulierung und andere Maßnahmen der Verbrechensbekämpfung.

Für Franz Seitz von der Technischen Hochschule in Weiden und seine beiden Koautoren ist der Zusammenhang zwischen dem Bargeldumlauf und der Schattenwirtschaft schwächer ausgeprägt als oftmals dargestellt. Seitz präsentierte entsprechende Schätzungen für den Euroraum. Dabei zeigte sich ein stärkerer Zusammenhang in kleineren Mitgliedsländern, wobei vor allem kleinere Stückelungen für illegale Aktivitäten genutzt werden – nicht aber die hohen Banknotenwerte. Nikolaus Bartzsch und Matthias Uhl vom Zentralbereich Bargeld gemeinsam mit Professor Schneider von der Johannes Kepler Universität Linz hatten für Deutschland untersucht, inwieweit die umlaufenden Banknoten hierzulande für illegale Zwecke genutzt werden. Die Kernbotschaft der Autoren: einfache Schlussfolgerungen zu dem Zusammenhang zwischen Bargeldnachfrage und Schattenwirtschaft sind nicht angebracht. So sollte der Umlauf hoher Banknoten nicht direkt als Indiz einer umfangreichen illegalen Bargeldverwendung gesehen werden, da diese Banknoten auch für legale Zahlungen und als Wertaufbewahrungsmittel genutzt werden.

Um kriminelle Aktivitäten einzudämmen, werden auch immer wieder Grenzen für Bargeldzahlungen gefordert. In Italien etwa gibt es seit mehreren Jahren eine solche Obergrenze. Das hat dort zwar zu einem Rückgang der Nachfrage nach hohen Banknotenwerten geführt, ein Effekt auf die Steuereinnahmen Italiens sei jedoch empirisch nicht eindeutig nachweisbar, wie Edoardo Rainone von der Banca d’Italia darlegte.

Gastland: die Niederlande

In den Niederlanden nehmen Zahlungen mit Karten und Mobiltelefonen einen weitaus höheren Anteil am Zahlungsvolumen an der Ladenkasse ein als in Deutschland. In einem von der niederländischen Zentralbank (DNB) moderierten Beitrag zeigten Mitarbeiter der DNB innovative Möglichkeiten, die Falschgelderkennung zu verbessern, das Design von Noten und Münzen attraktiver zu gestalten und die Nachhaltigkeit im Bargeldkreislauf stärker zu berücksichtigen.

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